Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 8/9 (8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4921092-5965121-5965328--3075-4925870- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 8 9 171 Schwimmer weitab vom Ufer Algen und Wasserrosen gleich liebkosenden Armen von Wasserjungfern die Beine streicheln, dann mag wohl für einen Augenblick ein schreckhafter Gedanke seiner Herr werden, dann aber wird er schnell und besonnen die Gefahr zu meistern wissen, indem er den Kopf unter Wasser steckt, um sich in eine flache Schwimmlage zu bringen. Wird das Gestrüpp zu eindringlich, so wird er auf kurze Zeit die Schwimmbewegungen auf die Arme beschränken, um nicht durch unnötige Bewegungen die oftmals todbringenden Gewächse um die Beine zu wickeln. „Und es ruft aus der Tiefe: Lieb' Knabe bist mein Ich locke den Schläfer, Ich zieh ihn herein!" Manch ein blühender Jüngling hat schon auf dem dunklen Seeboden sein Ende gefunden. Viele noch werden folgen. Aber niemals wird die Lust des Wagens ganz aus unserer Jugend verschwinden. Fritz Abraham. Aus Ch. N. Blalik: „Gedichte" *> Im Grünen. Von Blumen und Wundern war ich umgeben, * Wo Tierchen in Strahlennetzen zittern, Wo die Luft vom Schwirren und Oirren bebt — Umzaubert war ich zu Boden gesunken. Und warm; und alles schön und mild. Erstickte Gefühle drängen ans Licht, Rollen zur Sonne — und taumeln, die weichen, schwachen. stillen, Und strecken die Häupter, w!e Schlangen aus Höhlen die Leiber zieh'n, "°her und höher — Und Gottes Sonne blickt auf uns s<> mild. Und warm. Und alles gut. wie strahlt Jetzt Gottes Welt! J"1 tiefen Gras, da hüpft es und tanzt. {■^r Rasen ist von Blüten voll, J-Jie Gott mit eigener Hand gepflanzt, JJU tausend Farben schmückte. "as weitet sich und breitet sich Anfang und ohn' Ende. Und wie ich einsam lieg' im Gras Fühl' ich in mir die ganze Welt. Das wehet her Vom freien Feld Ein Hauch-- 's ist still. Und rasch — ein Pfeil! — So schwebt ein Traum Von Kindheitstagen — Und ist schon tausend Meilen fern. Das war ein Blitz, das war ein Glanz, So heimatstraut und wundersam. Es kam durch dumpfe Jahre her, Versunken und verloren. Das war ein Blitz, das war ein Glanz! Das strömt' und sprang mir in den Blick — Ein Tropfen Tau von Jungem Glück. Und schon versiegt? Das war-- Das blickte so Der grüne Wald auf mich. r, ") Ch. N. Bialik: „Gedichte". Aus dem Hebräischen Ubertragen von gf- Emst Müller. Mit Buchschmuck von 0. Herschdörffer und einem Portrat Bialiks (Photogravüre). Preis broschiert M. 3.—. elegant gebunden M. 4.20. bischer Verlag. Köln a. Rh.