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Jüdische Turnzeitung · 1911-08-01 · 8/9 (8.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
8/9 (8.1911)
Date
1911-08-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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J70 wenig der Tod des einzelnen, gegen den ungeheuren Zuwachs an Volksgesundheit, den wir diesen schwimmerischen Wagnissen verdanken, ins Qewicht fällt. Freuen wir uns, daß in unserer Zeit des Reglements und der Drahtgitter unseren Jünglingen noch Gelegenheit gegeben ist, hin und wieder hei ihrem freudigen Tun den höchsten Einsatz zu wagen! Aber nicht nur der Mangel an Mut und eigener Initiative war es, was uns die herrlichsten Badegelegenheiten versäumen ließ: Es war eine merkwürdige, törichte Zagheit, die selbst in der verschwiegensten Waldeinsamkeit, wohin sich wochenlang kein menschlicher Fuß verirrte, ein behördliches Verbot vermutete. Nun, da ein groß denkender preußischer Beamter diese kleinlichen Bedenken verscheucht hat, hat bei allen Beteiligten — auch bei den untergeordneten Aufsichtsorganen — eine vernünftigere Beurteilung Platz gegriffen, und die Witzblätter — wofern sie einen Spiegel unserer Zeit bieten wollen —, werden bald auf das beliebte Qenre des Gendarmen, der den arglos badenden Ausflügler mit einer Polizeistrafe belegt, verzichten müssen. Die Erklärung dafür, daß die Zahl der Unfälle beinahe im umgekehrten Verhältnis zu der der Freibadenden steht, ist eine recht einleuchtende: Einmal verkriecht sich heutzutage, wer in der kühlenden Flut Erfrischung; sucht, nicht mehr gleich einem Uebeltäter in die gottverlassensten und unbekanntesten Tümpel, sondern er hat auf seinen Wanderungen häufig Gelegenheit, Gleichgesinnte anzutreffen, mit denen er dann ohne weitere Abrede ganz von selbst ein Schutzbündnis eingeht; dann aber hat auch hier die Praxis des Freibades eine ganze Reihe Erfahrungen gezeitigt, von denen hier die Rede sein soll. Als einzelner an unbekannter, menschenferner Stelle zu baden, muß auch beim zuverlässigsten Schwimmer als Tollkühnheit verurteilt werden. Der Boden des Gewässers mit den Polypenarmen seiner Gewächse einerseits und andererseits die Unvollkommenheit des menschlichen Organismus bieten soviele Möglichkeiten eines tragischen Ausganges, daß eine Statistik diesen Verwegenen den weitaus größten Prozentsatz der Opfer zur Last legen würde. Aber auch ein einzelner Genosse wird — zumal wenn der Unfall erst nach Zurücklegung einer längeren Schwimmstrecke seeeinwiirts eintritt, nur mangelnde Sicherheit bieten. Also: gesellige Schwimmbäder als erste Forderung! Je mehr Teilnehmer, die stets hilfsbereit beieinanderschwimmen sollten, um so besser! Dann?ber wird eine lose Disziplin gute Dienste leisten. Für ehrgeizi*«* Wettschwimmen und Spielereien ist herbei kein Platz. Man ordne sich also den Vorschriften des Schwimmtüchtigsten und Erfahrensten unter, der die Entfernungen einigermaßen zu schätzen und aus der Ufervegetation au« die Landungsmöglichkeiten zu schließen weiß. Beim Einschätzen 41er Breite eines Sees hat sich schon mancher „verhauen". Man merke: Helles Sonnenwetter und dicht an das Ufer herantretende Anhöhen verleiten dazu, dl Breite eines Gewässers zu unterschätzen. Wer das bedenkt, der wir nicht leicht in die Verlegenheit kommen, aus Mangel an aufgesparten Kräften in Adams Kostüm am Seeufer entlangzupilgern, um seine zur^C|L gelassenen Kleidungsstücke aufzusuchen. Er wird vor der Rückkehr auf aej" Wasserwege durch einige Freiübungen die seinem Körper entzogene Warnw zurückgewinnen und sich dann getrost zum Rückwege dem feuchten Elemente anvertrauen. Wenn er Glück hat, wird er, drüben angekommen, wärmende Kleidung vorfinden. Und wenn nicht? Entsetzlicher Gedanke und oftmals tragikomischer Ausgang! ch „Erst wägen, dann wagen!" ist auch ein turnerischer Wahrsprucn- Dem sinnlos Tollkühnen wird nie verziehen werden. Aber das ^ott,7ttli des Wagnisses soll der Jugend behauptet werden. Und wenn

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