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Jüdische Turnzeitung · 1911-08-01 · 8/9 (8.1911) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
8/9 (8.1911)
Date
1911-08-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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172 No. 8/9 Sinken des Tages. Durch Wolken blut-und flammenschwer Senkt sich die Sonne jetzt zum Meer, Daß, gleichend ries'gen Lanzenspitzen, Lichtstrahlen durchs Gewölke blitzen. Jetzt küßt den Umkreis zartes Sprüh'n, Ein Feuerkranz umflicht das Qrün; Um Waldeskronen haucht die Qlut, Der Sonne Glanz fließt durch die Flut; Die Berge deckt des Goldes Spur, Ihr Glast umspinnt die weite Flur, Sie küßt den Tag noch sinkend sacht Und fährt dann lebend in die Nacht. Jetzt faßt der Schatten jedes Sein, Bricht nah' und nah' die Nacht herein. Ein leichter Hauch kommt, weht und geht, Der mich geheimnisvoll umweht. Und raunt: Du Seele, treu und rein, Bist wie ein Strahl im Abendschein! Rasch wie des Vogels Flug verrinnt Der Kindheit Gleichmaß, gutes Kind! Und alles welkt hier und verfällt. Doch gibt es eine stille Welt, Doch gibt es einen lichten Ort, Dort atmet Festesruh und -duft, Ist Wahrheit Sonne, Freiheit Luft. Dort such' ich Raum für dich und mich, Auf, flieh', mein Kind, befreie dich! Nicht hier ist Ruhe, schwebe fort! Doch was, mein Herz, ist dir so bang? Wer warf den Schatten in dein Zelt? Welch dumpfe Macht ist's die dich hält? Fühlst du in Gottes Weite Zwang? Erträgt dein Auge nicht den Krieg, Der Lichtesfeinde dunklen Sieg? Denn, was ist all' der Schmerz und Traum, Aufschattend, senkt der Tag sich kaum, Und der die reine Seele bannt Zum ew'gen Ziel, zum letzten Strand? Segen des Volkes. Seid starken Armes, ihr Brüder! Der Heimat Boden zu hegen, ward euer Teil! Nicht sink' euer Mut! Nein, heiter und jubelnd Kommt, Schulter an Schulter, dem Volke zum Heil! Denn siehe, wir zählen die Zeit eures Irrens: Die Tränentropfen, der Mühe Saft Sind unser Kleinod, die taugleich beleben Israels müde, gesunkene Kraft.

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