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Jüdische Turnzeitung · 1911-08-01 · 8/9 (8.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
8/9 (8.1911)
Date
1911-08-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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No. 8/9 169 Wenn wir am anderen Tage erst spät Brotterode verließen und auf den Inselsberg, um die verlorene Zeit einzuholen, im Leiterwagen fuhren (wir wären zu Fuß sicher ebenso früh hingekommen) — war die gastfreundliche «Alte Post", unser Hotel in Brotterode, Schuld daran, oder schon ein stärkeres Ruhebedürfnis, über das wir uns im Hinblick auf die rech strapaziöse Endtour Inselsberg—Ruhla—Eisenach nicht einfach hinwegsetzen wollten? Mit stillem Staunen genossen wir den weiten Blick ins Thüringer Land, den der Inselsberg nach allen Seiten bietet und freuten uns über das lebhafte Touristentreiben, das sich auf dieser Höhe entwickelte. Leider mußte uns hier unser bewährter Führer, Dr. Zirker, dem wir die geschickte Zusammenstellung und die wohlüberlegte Vorbereitung der Fahrt zu verdanken haben, verlassen, da ihn berufliche Qründe nach Berlin zurückriefen. Mit einem kräftigen „Hedad" sandten wir ihm unsere Wünsche zur glücklichen Heimfahrt nach, als er im Autobus den Inselsberg hinunterdonnerte. Uns andere aber führte ein strammer Marsch über den Dreiherrenstein, an dem wir uns eine kurze Rast mit Himbeerlimonade schenkten, nach dem reinlichen Ruhla. Im geschlossenen Zug und unter flottem Qesang zogen wir zum „Landgrafen" hinauf, wo uns Eisenacher Verwandte eines unserer Teilnehmer erwarteten. Unter ihrer kundigen Führung zogen wir zur „Hohen Sonne", ließen uns den berühmten Blick auf die Wartburg zeigen, stiegen zur Drachenschlucht hinunter und wieder zur Wartburg hinauf, die wir leider nur schnell und flüchtig besichtigen konnten, weil auf die meisten von uns der 7 Uhr-Zug wartete, um uns wieder der täglichen Pflicht entgegen zu führen. Nur mit feinem Gewaltsdauerlauf gelang es, noch den Anschluß zu erreichen, aber es gelang, alle die den Zug benutzen wollten, noch rechtzeitig heranzubringen. Ein Teil von uns blieb noch zwei schöne Tage in Eisenach, die unter der liebenswürdigen Leitung unserer neu gewonnenen Eisenacher Freunde einen schönen Abschluß dieser harmonisch verlaufenen Pfingstfahrt bildeten. Das Baden in offenen Gewässern. Seit jenem in der Geschichte der Leibeszucht denkwürdigen Tage, an dem der nachmalige Berliner Polizeipräsident v. Stubenrauch durch Freigabe des ersten Familienbades am Wannsee den Bann eines mittelalterlichen Vorurteils gebrochen hat, haben die Seen als Schwimm- und Badegelegenheit in erhöhtem Maße ihre volkshygienische Bedeutung gewonnen. Gewiß war es schon längst dem Ruderer eine liebe Gewohnheit, sich a"f seinen Wanderfahrten bei sinkender Sonne dem Elemente, das ihn tagsüber so willig trug, im Bade anzuvertrauen, aber dem Touristen und dem Wandernden Turner, den nicht so enge Bande mit seinen heimatlichen Gewässern verbanden, hielt doch immer eine unnennbare Scheu vor dem Unbekannten, das sich unter dem tückisch glatten Spiegel des Wassers verborgen hielt, von dem geringsten Wagnis ab. Seitdem sich das Beispiel vom Wannsee über Erwarten bewährt u"d allüberall Nacheiferung erweckt hat, hat sich das Verhältnis unserer ■lugend zu den Gewässern des Landes von Grund aus geändert. Und das Merkwürdige dabei ist, daß, obwohl sich die Zahl der sonntäglichen Freibäder in großen und kleinen Gruppen so außerordentlich vermehrt, die Zahl der Unfälle kaum eine Zunahme erfahren hat. Und wer am Montag, nach einem echten, rechten Sommersonntag aus seinem Morgenblatte erfährt, daß von den vielen Tausenden, die aus dem herrlichen Genuß ehies solchen Bades neue Kraft und Lust für die Arbeit des Alltages gezogen haben, einer "der zwei den feindlichen Naturgewalten zum Opfer gefallen sind, der mag ll,r trauriges Geschick bedauern, aber er sollte doch nicht vergessen, wie

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