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Jüdische Turnzeitung · 1911-08-01 · 8/9 (8.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
8/9 (8.1911)
Date
1911-08-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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No. 8/9 165 milatorische Erziehung genossen hat, das nationale Judentum als etwas so Neues und seiner bisherigen Auffassung vom Judentum so diametral Gegenüberstehendes erscheinen, daß er sich nicht ohne einen schweren inneren Kampf dem Nationaljudentum in die Arme werfen kann, In dieser Beziehung ist, wie bereits erwähnt, der jüdische Jugendbund eine gute Schule. Denn jeder Anhänger einer bewußt jüdischen Organisation muß unbedingt in letzter Konsequenz zum Nationaljudentum sich bekennen. Ich habe bei Gründung des Jüdischen Jugendbundes zu Berlin nicht Pate gestanden, aber ich weiß positiv, daß der Zweckder Gründung nicht der war, die national-jüdischen Jugendorganisationen zu bekämpfen, vielmehr sollte diese Gründung gerade einen Kampf nach der anderen Richtung hin darstellen. Wenn ich das nicht genau wüßte, so wäre schon allein d i e Tatsache für meine Behauptung Beweis genug, daß sich an der Gründung des jüdischen Jugendbundes zu Berlin, der ersten Organisation dieser Art, eine Reihe von jüdischen Männern beteiligt hat, deren Namen in der nationaljüdischen Bewegung einen guten Klang haben, und die sich für einen Zweck, wie ihn Herr Unna dem Jugendbund unterschiebt, niemals hergegeben hätten. Ich weiß nicht, wieso Herr Unna zu einer solchen Behauptung kommen kann. Ich weiß auch nicht, inwieweit der Verfasser, von dem mir bekannt ist, daß er Mitglied des Jüdischen Jugendbundes zu Berlin, und sogar ein ziemlich rühriges ist; diese seine Mitgliedschaft infolge seines Artikels gekündigt hat. Alles in allem begrüße ich die jüdischen Jugendvereine als Organisationen, die durchaus der Unterstützung selbst von uns Nationaljuden wert sind. Mir, der ich an leitender Stelle innerhalb eines national-jüdischen Turnvereins zu stehen die Ehre habe, liegt wahrlich nichts sehnlicher am Herzen, als eine Erstarkung und Kräftigung gerade dieser Bewegung. Trotzdem, oder besser gesagt, gerade deshalb sehe ich den Verband der Jüdischen Jugendvereine als eine für jeden jungen Juden sehr empfehlenswerte Organisation an, weil sie — sicherlich unbewußt — eine vorzügliche Propaganda für unser Nationaljudentum bedeutet. Und auch aus diesem Grunde empfehle ich unseren Mitgliedern die Tätigkeit in den jüdischen Jugendvereinen. .Das Hemd ist uns natürlich näher als der Rock. Unsere Mitglieder sollen sich nicht zersplittern, und vorerst haben sie in unseren Reihen ihre Pflicht zu tun. Wenn es aber ihre Zeit dennoch erlaubt, anderweitig zu arbeiten, so können sie es ruhig innerhalb des Jüdischen Jugendbundes tun, um dort unsere Ideen zu propagieren. Denn nochmals betone ich: Aus allen Meinungsverschiedenheiten über die Auffassung vom Judentum wird immer die national-jüdische Idee wie ein Funken aus der Asche hervorleuchten. Zum Erziehungsproblem. Rabbiner Dr. Emil Cohn's Vortrag „Jüdische Erziehungsprobleme" im Maiheft enthält neben tiefen Wahrheiten auch erhebliche Widersprüche. Schnitzler hat nicht recht mit seiner Behauptung vom Respekt unter den Juden. Uns allen ist in lebhafter Erinnerung, wie viele Hunderttausend Juden

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