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Jüdische Turnzeitung · 1911-08-01 · 8/9 (8.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
8/9 (8.1911)
Date
1911-08-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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164 No. 8/9 Deutsch-Jüdisches*». Eine Entgegnung von Richard Bialler -Bertin. In dem unter dieser Spitzmarke in der vorigen Nummer erschienenen Artikel charakterisiert sein Verfasser Henry Unna seine Stellung zum Verbände der jüdischen Jugend vereine Deutschlands. In seinen Ausführungen verwickelt er sich aber in derartige Widersprüche, daß von einer eigentlichen Stellung nähme, bei der man einen festen, unverrückbaren Standpunkt voraussetzt, keine Rede sein kann. Herr Unna spricht von vornherein jeder tendenzlosen, jüdischen Organisation, somit auch den jüdischen Jugendvereinen, ihre Existenzberechtigung ab. Und ganz merkwürdigerweise fordert er, nachdem er drei Druckseiten dazu benutzt hat, an den jüdischen Jugend vereinen kein gutes Haar zu lassen, am Schlüsse die national-jüdische Jugend zum Beitritt in diese zu bekämpfenden, neutralen Jugendorganisationen auf. Will der Verfasser die Tendenzlosigkeit, die doch der integrierende Bestandteil der jüdischen Jugendorganisationen ist, bei diesen durch eine Majorität jüdisch-nationaler Anhänger etwa beseitigen, oder was will er? Erkläret mir Oraf Oerindur, Diesen Zwiespalt der Natur! — Und nun zur Sache selbst. Ist denn wirklich eine neutrale jüdische Organisation etwas so bekämpfenswertes? Ich habe nicht das Recht, als Nicht-Akademiker für den Verein jüdischer Studenten zu sprechen. Aber es sei an dieser Stelle gesagt: Was für eine segensreiche und wirksame national-jüdische Tätigkeit hat der vollkommen neutrale Verein jüdischer Studenten geleistet? Es ist ein kühnes Urteil, jeder tendenzlosen Organisation ihre Berechtigung abzusprechen. Ich halte es schon für einen großen Schritt vorwärts, wenn sich jüdische Jugendorganisationen gründen, die, wenn nicht gerade auf nationaljüdischer, so doch immerhin auf bewußt jüdischer Basis stehen. Es ist dies entschieden eine Errungenschaft, und es stellt eine derartige Gründung immerhin eine Bekämpfung des Assimilationsgedankens dar. Für einen jungen Juden, der das Produkt einer rein assimilatorischen Erziehung ist, eine Erscheinung, die uns tagtäglich, besonders in der Großstadt, begegnet, ist es eine vorzügliche Schule, wenn er auf dem Wege zum Nationaljudentum durch die jüdischen Jugendorganisationen geht. Und ich kann dem verehrten Verfasser Dutzende von Beispielen aufführen, nach welchen Mitglieder des jüdischen Jugendbundes gerade duch den Austausch der Meinungen innerhalb einer neutralen Organisation vom Assimilanten sich zum Nationaljudentuni durchgerungen haben. Tatsächlich muß doch für jeden Juden, der eine assi- ") Zu dem Leitartikel der Julinummer unseres Blattes sind uns zahl* reiche Zuschriften, teils zustimmender, teils opponierender Art zugegangen, ein erfreulicher Beweis, daß das Interesse unserer Turnbrüder an unserem Verbandsorgan stetig wächst. Wir geben den obigen Ausführungen gern Raum und behalten uns vor, später darauf zurückzukommen. Es kann u«5 selbstverständlich nur daran liegen, jede subjektive Wahrheit zu Worte kommen zu lassen.

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