Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 8/9 (8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 8/9 163 Konzessionen an die Menge zu machen, die Erörterung der Alkoholfrage nicht angeschnitten wissen. Qegen solche Entstellungen des Sinnes meiner Worte mußte ich mich verwahren und war anfangs geneigt, diese Abwehr mit den Worten zu schließen: „In Theilhabers Verhalten mir gegenüber sehe ich nur die Absicht, mich nicht verstehen zu wollen oder eine Leichtfertigkeit beim Lesen meines Artikels, die jemand, dem durch den Umgang mit statistischem Zahlenmaterial wissenschaftliche Genauigkeit in Fleisch und Blut übergegangen sein sollte, eigentlich nicht zuzutrauen ist. Welche dieser beiden Möglichkeiten auf Theilhaber zutrifft, darüber möge dieser selbst befinden." Eine mir angeborene Objektivität und die Erkenntnis, daß Herrn Dr. Theilhaber im Qrunde seines Herzens nur die besten Absichten für die Sache des Judentums beseelen, ließen mich eine dritte Möglichkeit in Erwägung ziehen. 2. Ausblick. Dr. Eisenstadt und Dr. Theilhaber sind praktische Idealisten. Praktisch, insofern sie die Ursachen des gesundheitlichen Niederganges der Juden zu ergründen suchen (zuletzt Theilhaber in dem beachtenswerten Buche „Der Untergang der deutschen Juden") und, soweit ein Laie dies beurteilen kann, in wissenschaftlich einwandfreier Weise mit Abhilferatschlägen an die Oeffentlichkeit traten. (Theilhaber a. a. 0. S. 162 bis 165, der auch S. 161 Eisenstadt und dessen Arbeiten Uber Jüdische Eugenik (Fort- Pflanzungs-Hygiene) erwähnt), Idealisten, weil auch nur ein bescheidener Versuch, ihre Forderungen zu erfüllen, undenkbar ist, ohne daß vorher eine ungeheure Umwälzung in der Qemeindepolitik und den Erziehungsanschauungen der jüdischen Eltern stattfindet. Dies fühlt Theilhaber auch, denn er sagt sich selbst (S. 165): „Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Olaube." Deshalb, und weil der Wille, seiner Meinung zum Siege zu verhelfen, in dem Kämpfer immer eine Angriffsstimmung, ja dort, wo wieder und wieder dieselben Widerstände sich zeigen, eine recht gereizte Stimmung hervorrufen, witterte Theilhaber offenbar in meinen gegen E. gerichteten Worten zugleich einen Angriff auf dessen Ideen. Als Gesinnungsfreund sprang er ihm bei und Ubersah, daß er ihm doch nur helfen konnte, wenn er seine Verteidigungsvorkehrungen in die Richtung meines Angriffes verlegte. Im Uebereifer sah er in E.s Ausführungen nur die allgemeinen Erörterungen Uber Ernährungshygiene und Priihehe und Uber sah, daß E. von besonderen Fällen ausgegangen war, deren Erörterung meiner Ansicht nach fehlen konnte oder mit ihrer Eigenart entsprechenden ärztlichen Ratschlägen schließen mußte. Nun kündigt ja Th. am Ende seines Aufsatzes in Nr. 7 dieser Zeitschrift (S. 137) an, daß er noch „auf weitere wichtige Punkte bzw. auf die sexuelle Hygiene nach dieser Klarlegung der ganzen Strecke später eingehen werde. Diesem Artikel sehe ich mit Erwartung entgegen. Vielleicht wird Theilhaber in ihm meiner Behauptung gerecht werden, daß die Behandlung der Frage, so wie sie Eisenstadt angeschnitten hat, in einen' auf Laien beschränkten Zeitschrift vom rein medizinischen Standpunkt aus nicht erschöpft werden kann. Vielleicht aljer zeigt er uns einen Weg, der auch hier tangbar ist; auf jeden Fall werden gutgemeinte Lehren und Ratschläge auf diesem Oebiete stets zu begrüßen sein.