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Jüdische Turnzeitung · 1911-08-01 · 8/9 (8.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
8/9 (8.1911)
Date
1911-08-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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162 No. 8 9 „Hecht iindet in dem Artikel E.s zu wenig positive Vorschläge. Ich möchte fast sagen, das Postulat der unbedingten Abstinenz ist u. a. ein hervorragend präzises1 und positives. Allerdings mag die Zeit der Stellungnahme zu diesem für Hecht „höchst strittigen Problem der Enthaltsamkeit" noch nicht gekommen sein. Aber für, ich kann wohl sagen, nicht die am wenigsten weitblickenden Hygieniker unserer Zeit ist die unbedingte Abstinenz eines der besten Remedia populorum. Daß die alkoholfreie Kultur auch uns Juden nur gute Dienste leisten würde, halte ich für sicher. Ich möchte nicht zu weitschweifig werden und überlasse es gern berufeneren, darauf einzugehen. Aber das, was E. über den Einfluß des Alkohols und speziell auf die sexuelle Hygiene gesagt hat, ist wohl Wissenschaft Ii ch nicht zu widerlegen. Es mag freilich bequemer sein, Konzessionen an die Menge zu machen, und speziell „u m in vielen Kreisen keine Beunruhigung hervorzurufen" (H e c h t), diese wichtige Forderung fallen zu lassen. Ich bin aber sicher, daß, wenn die Jüdische Turnerschaft eine alles erfassende hygienische Bewegung unter den assimilierten Westjuden werden will, sie sich um die Alkoholfrage nicht wird drücken können." Die Art und Weise dieses „Zitierens" finde ich, um einen gelinden Ausdruck zu gebrauchen, „ungewöhnlich". Konnte Theilhaber wirklich nicht merken, wie meine Aeußerung über „Enthaltsamkeit" gemeint war, mußte er nicht erkennen, daß sie mit der Frage der alkoholischen „Abstinenz" nichts gemeinsam hatte? Daß aber das Problem der geschlechtlichen Enthaltsamkeit „höchst strittig" ist, wird er mir hoffentlich nicht abstreiten. Ich wüßte wenig Fragen, in denen sich die Aerzte weniger einig sind, als in dieser. „Viel und nicht selten in grimmiger Fehde wird die Frage ventiliert, ob die Keuschheit die beste Vorbereitung für die Ehe sei, oder ob verehelicher Geschlechtsverkehr anzuraten sei." (Prof. Kafemann im Märzheft der „Sexualprobleme". 1900, S. 200 unten.) In letzter Zeit mehren sich allerdings, soweit ich sehe, die Oegner der Enthaltsamkeit (auch Freud und Kafemann: Sexualprobleme, a. o. 0., S. 201), zu ihnen gehört ja auch Eisenstadt, wie nicht nur St-ine darauf bezüglichen Ansichten in Nr. 3 d i e s e r Zeitschrift beweisen, sondern auch eine in der Juni-Nummer 1910 der „Sexualprobleme" veröffentlichten Bemerkungen zur Sexualhygiene. Dort stellt er (S. 453) der sozialen Bewegung der Urchristen, die für ihre Zwecke die sexuelle Abstinenz für unentbehrlich gehalten habe, die sozialhygienische Theorie der jüdischen Gelehrten jener Zeit, die in der Frühehe gipfelte, gegenüber. Sexuelle Enthaltsamkeit verlangt E. nur (S. 457) innerhalb der Ehe selbst in ganz anderem Zusammenhang. Ist es schon unverständlich, daß Theilhaber die Verschiedenheit der Ausgangspunkte seiner und meiner Erörterungen nicht erkannt haben sollte, so ist die Art und Welse, wie er mich (S. 136 oben) zitiert, geradezu ungehörig. Jeder, der meine oben wiedergegebenen Aeußerungen liest, die dazu noch alle in demselben Satze stehen, kann sie nur dahin verstehen, daß ich dagegen bin, durch Erörterung jenes „strittigen Problems" der geschlechtlichen Enthaltsamkeit weite Kreise zu beunruhigen. Th. scheut sich nicht, durch Hervorhebung meiner Worte den Eindruck zu erwecken, als wollte ich aus Bequemlichkeit und um

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