Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 8/9 (8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 8/9 155 neue Organisation gegeben, die möglichst eng die Bekenner des Baseler Programms, so weit sie auch über die Erde zerstreut wohnen, in Landes- oder Sonderverbänden zusammenschließt; er hat die Leitung der Bewegung durch die Schaffung eines Zentralkomitees, eines großen Aktionskomitees, aus 25 Personen bestehend, und eines engeren Aktionskomitees, aus den Herren Prof. Warburg, Dr. Hantke, Dr. Jacobsohn, Dr. Schmarja Lewin und Nahum Sokolow bestehend, neu geordnet und sich damit umfassende Arbeitsmöglichkeiten geschaffen; er hat schließlich durch die Annahme einer neuen Geschäftsordnung für den Kongreß selbst auch diesem eine größere und bessere Arbeitsmöglichkeit geben wollen. Ein neues Agitationsgebiet für den Zionismus soll durch Zusammenfassung der zionistischen Frauenvereine und Errichtung einer offiziellen Zentralstelle für Frauenarbeit erschlossen werden; eine diesbezügliche Resolution wurde nach einem Referat von Frl. Prof. Schacli aus Paris angenommen; die Referentin wies darauf hin, daß die Frau, wenn sie in der Erziehung der Jugend zum Zionismus eine bedeutsame Rolle spielen solle, selbst über alle Fragen des Judentums und des Zionismus unterrichtet werden müsse. Schon vorher hatte eine Versammlung zionistischer Frauen, in der über die bereits bestehendenzionistischen Frauenvereine Bericht erstattet wurde, eine ähnlich lautende Resolution angenommen. Die zur Vorbereitung des Volkes nötige jüdische Literatur zeigte in einer reichhaltigen und interessanten Ausstellung der „Jüdische Verlag" in Köln. Eine überaus ernste Frage der jüdischen Qegenwart, das Emigrationsproblem, wurde auf dem Kongresse in zwei Referaten, von Dr. Katzenelsohn und Motzkin behandelt. Seit altersher ist das jüdische Volk auf der Wanderschaft, aber in neuester Zeit hat diese bisher nie dagewesene Dimensionen angenommen; wenn man bedenkt, daß in den letzten 25 Jahren Uber 2 Mill. Juden gewandert sind, etwa der sechste Teil aller Juden überhaupt, wenn man bedenkt, daß einerseits die Not in den Auswanderungsländern: Rußland, Rumänien, Qalizien immer größer wird, während die Einwanderungsländer: England und Amerika, sich immer mehr verschließen, wenn man ferner bedenkt, daß einerseits die Konzentration der Juden in New-York und London neue Qhetti und damit neues Elend schafft, andererseits eine Zersplitterung der auswandernden Juden in möglichst kleine Gruppen, wie sie vielfach versucht wird, nachgewiesenermaßen zur Aufgabe alles jüdischen führt, so wird man die Größe und Wichtigkeit dieses Problems, eines der tragischsten der gesamten Judenfrage, erkennen. Wenn sich der Zionismus damit befaßt, so ist er sich, wie in den vom Kongreß angenommenen Resolutionen zum Ausdruck kommt, wohl bewußt, daß die Lösung der Judenfrage nur in der territorialen' Konzentration in Palästina enthalten ist; er schließt sich jedoch in Anbetracht der immer wachsenden Auswanderungsnot allen Bestrebungen auf Organisation der Auswanderung an, denn er konstatiert, daß die bisherigen Versuche zur Regelung der Emigrationsfrage nicht einheitlich und nicht ausreichend sind; von einem einzuberufenden Emigrationskongreß erwartet er wichtige Anregungen. An diesem Emigrationskongreß soll sich die zionistische Organisation als solche beteiligen und für möglichste Organisierung und Regelung der Auswanderung und Ablenkung dieser nach dem Orient eintreten, wie überhaupt jeder Zionist an dieser wichtigen Oegenwartsarbeit mittun soll. Auch außerhalb des Kongresses hatte sich eine allgemeine Versammlung mit der Frage der Emigration beschäftigt. Sechs Redner hatten in deutscher