Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 8/9 (8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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154 No. 8/9 eine große Idee, zu beobachten. Die zionistischen Studenten aus Deutschland, Oesterreich, Qalizien, der Bukowina, der Schweiz, Holland, Frankreich usw. kamen zusammen, um die Schaffung einer allweltlichen zionistischen Studentenorganisation zu beraten und so der einenden Idee trotz der Trennung: nach einzelnen Ländern und den Qewohnheiten dieser Länder möglichst zu dienen. Und auf dem allgemeinen Kommers, den die zionistische Vereinigung Basel zu Ehren des Kongresses veranstaltete, war es, als wenn dort unten im Saale eine einheitliche große Masse der jüdisch-akademischen Jugend in ihren Studentenliedern stets aufs neue den Schwur leistete, treu zu ihrem Volke zu stehen. Der Anblick dieses Kommerses, dieser hundertköpfigen Schar begeisterter Jugend mußte das letzte Fünkchen von Pessimismus erlöschen und der schon erwähnte Zollschan mußte offen bekennen, daß diese jugendliche Schar bei ihm selbst alle Bedenken, die er in seinem Buche über die Verwirklichung des zionistischen Ideals geäußert hatte, hinweggefegt hätte. Alle die Führer der zionistischen Organisation, die auf diesem Kommers sprechen konnten, erklären, daß sie voll Zuversicht der Zukunft entgegensehen! Eine Sprache: Richtig offenbarte sich die Einheit des jüdischen Volkes in der denkwürdigen Nachmittagssitzung des Kongresses, in der ausschließlich hebräisch gesprochen wurde. Sokolow hielt ein Referat über „Die hebräische Sprache", er sprach von ihrer weltgeschichtlichen Bedeutung, von der Schönheit und Kraft ihres Ausdruckes, von ihrem Niedergang und von ihrem neuen Aufstieg, von den zahlreichen hebräischen Zeitungen und Verlagen, von den Vereinen, die sich ihre Pflege zur Aufgabe gestellt und insbesondere von ihrer Verjüngung in Palästina und entwarf im Anschluß daran ein umfassendes Programm für die Verbreitung und Verschönerung der Sprache. Fast alle Diskussionsredner sprachen hebräisch; der Präsident Ussischkin ebenfalls. Aber auch sonst wurde auf diesem Kongreß, wie allgemein bemerkt wurde, viel hebräisch gesprochen. Der Präsident Wolfsohn eröffnete den Kongreß in hebräischer Sprache, so daß der Beschluß eines früheren Kongresses, nach dem Hebräisch die offizielle Sprache des Kongresses ist, schon jetzt mehr bedeutet als eine bloße Demonstration. Neben diesen hebräischen Debatten auf dem Kongreß selbst bewies die Tagung der Organisation für hebräische Sprache und Kultur in Basel (Histraduth ibrith), auf der von schönen Fortschritten der hebräischen Sprache berichtet wurde, und das Meeting dieser Organisation, auf dem vier Redner den Einfluß der hebräischen Sprache auf das Judentum in der Diaspora und in Palästina darlegten, daß die alte Sprache unseres Volkes keine tote, sondern eine lebende ist, die mit dem Volke zusammen einer neuen Zukunft entgegenstrebt. Ein Land: Ein Land zu erreichen, Palästina, das Stammland unseres Volkes, ist das Ziel des Zionismus. Seine Kongresse sind bedeutsame Punkte auf dem Wege zum Ziel. Auf ihnen wird Rückschau gehalten über das Erreichte und werden Richtlinien gezogen für die Zukunft. Die Arbeit des Zionismus ist eine zweifache: Die Vorbereitung des Volkes in der Diaspora und die Vorbereitung des Landes Palästina. Die Vorbereitung des Volkes erfordert vor allem eine möglichst starke zionistische Organisation selbst. Von welchem Wert eine festgefügte Organisation ist, ist in unserer Zeitung schon wiederholt betont worden. Auf diesem Kongresse hat sich der Zionismus durch ein neues Organisationsstatut eine