Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1911-07-01 · 7 (7.1911) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
7 (7.1911)
Date
1911-07-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4921092-5965121-5965327--3038-4925834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 7 139 bei diesen und kaum irgendwo zeigt sich der jüdische Freiheitsdrang, der Wille, aus dem Qoluselend herauszukommen in ausgeprägterer Weise, als wenn eine Turnerschaar beim Gesang eines Freiheitsliedes einhermarschiert. Und die Steigerung des aus erhöhtem Selbstvertrauen herrührenden Mutgefühls sollte hier eigentlich wohl am stärksten sein. Qerade bei den Turnfahrten kann aber durch die Berührung mit der Außenwelt auch der Fall am ersten eintreten, daß die jungen jüdischen Turner eine Probe ihres Mutes geben müssen. Natürlich kommt es dabei in erster Linie auf die Ruhe und Ueberlegung des Führers an, der selbstredend alles vermeiden muß, was dazu dienen könnte, unnötige Gefahren für die Teilnehmer heraufzubeschwören. Aber wenn es heißt, ihre Ehre gegen antisemitische Angriffe zu verteidigen, wird hoffentlich jede jüdische Turnerschaar ihren Mann stellen! Die vorliegende Studie konnte selbstverständlich nicht alle dieses Thema berührenden Punkte in den Kreis ihrer Betrachtung ziehen und somit nur wenig erschöpfend sein. Der Zweck sollte auch nur der sein, Stoff für eine mögliche weitere Erörterung dieses Gegenstandes in der jüdischen Turnerwelt herbeizuschaffen. Sport. Stafettenlauf Potsdam—Berlin am 25. Juni 1911. Der 25. Juni 1911 wird ein Ehrentag in der Geschichte des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba-Berlin bleiben. Es war das erste Mal, daß eine bewußt-jüdische Mannschaft vor die sportliche Oeffentlichkeit Deutschlands trat und damit den Beweis erbrachte, daß wir auf dem richtigen Wege der Erziehung für körperliche Kraft und Ausdauer uns befinden und daß wir vor keiner fremden Konkurrenz zurückzuschrecken brauchen. Das war es aber nicht allein, was der 25. Juni uns brachte. Er zeigte wieder einmal, Qaß, wo immer Juden selbstbewußt auftreten und sich nicht schämen, als Juden sich auch in einer größeren Oeffentlichkeit zu zeigen, ihnen stets die vollste Gleichberechtigung entgegengebracht wird und die Achtung, die der Arbeit und den Leistungen eines ernsten, selbstbewußten Mannes entspricht. Der 25. Juni zeigte ferner den vielen Tausenden, daß der Bar Kochba nicht einseitig die alten bewährten Hebungen des deutschen Turnens betreibt, sondern daß er auch fortschreitet und alles Neue und Oute sich aneignet, das seine Ziele fördern kann. Wir glauben, dem Bar Kochba und damit der gesamten Jüdischen Turnerschaft durch unsere Beteiligung an dieser größten Berliner sportlichen Veranstaltung des Jahres einen guten Dienst, eine riesige Propaganda geleistet und damit neue Kreise auf unsere jungen Bestrebungen aufmerksam gemacht zu haben. Der Stafettenlauf Potsdam—Berlin ist heute schon, trotzdem er dieses Jahr erst das vierte Mal ausgetragen wurde, ein Ereignis, das Tausende to'im Berliner in Aufregung versetzt, das sämtlichen Klubs und Vereinen schon das ganze Jahr hindurch als der Prüfstein für die geleistete Arbeit gilt. Nicht weniger als 38 Mannschaften, die zusammen 1900 Läufer stellten, hatten sich dieses Mal zum Lauf gemeldet, und die Konkurrenz, die jede einzelne Mannschaft auf dieser 25 km betragenden Strecke von der Glienicker Brücke Potsdam bis zum Bismarck-Denkmal in Berlin zu erwarten hatte, war

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.