Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 7 (7.1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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138 No. 7 gegangenen gegenüber recht schlecht abschneidet, wenn man sie beide in der Betätigung gewisser Eigenschaften vergleicht. Der unbefungene Beobachter muß wohl erkennen, daß unsere Vorfahren im allgemeinen mehr persönlichen Mut besaßen als das gegenwärtige jüngere Geschlecht! Der Hauptgrund hierfür dürfte in unserem Nervensystem liegen. Die Funktionen des Nervenapparates der jüdischen Jugend haben speziell durch die ungeheure Verschärfung des wirtschaftlichen Daseinskampfes der Juden schwere Störungen erlitten. Und es wird daher die höchste Zeit, über die stetig wachsende, ökonomische Verelendung des jüdischen Volkes eingehende Untersuchungen anzustellen. Darüber dürften sich aber die Gelehrten aller Länder einig sein, daß die Bezeugung physischen Mutes von der Existenz gesunder Nerven unbedingt abhängig ist. Dem stärksten Manne ist seine Kraft nichts, wenn ihm im entscheidenden Augenblick seine Nerven im Stiche lassen. Goliath wurde von dem kleinen David besiegt; Simson ging zugrunde, weil seine Nerven durch wüste Excesse zerstört waren. Und so heißt es also in erster Reihe, der Jugend wieder gesunde Nerven zu verschaffen, die ihnen den Stürmen des modernen Lebens gegenüber auch sonst dringend von Nöten sind! Das war ja auch von jeher ein Hauptzweck des Turnens, der Hauptsinn des vielgenannten: In corpore sano mens sana est! Aber das Turnen schafft nicht nur durch Stärkung der Nerven die Vorbedingung zur Entwicklung des Mutgefühls, sondern es erzieht solchen den Turnern durch die zweckmäßige Auswahl der Uebungen systematisch an. Jeder Turner hat es sicherlich schon an sich selbst erfahren, wie er nach einem Turnabend ein ganz besonderes Kraftgefühl empfunden hat. Die außerordentliche Anspannung des gesamten Körpers hat eben auch eine Auffrischung der Nerven im Gefolge. Und es ist wohl kein bloßer ZufaH, daß jüdische Turner nach dem Verlassen der Turnstätte schon häufig Proben ihres erhöhten Mutes judenfeindlichen Elementen gegenüber gegeben haben. Denn bei dem jüdischen Turner kommt nun noch ein sehr wichtiges Moment hinzu. Das Bewußtsein in Reihe und Glied mit Stammesbrüdern zu stehen, die Behauptung von der jüdischen Schwäche und Feigheit ad absurdum geführt zu sehen, müssen eine gewaltige Steigerung seines Selbstgefühls bewirken. Und hier kommt der wesentlichste Punkt unserer Betrachtung. Ein Ueberrest des alten Ghettodaseins ist es, daß die meisten Juden dazu neigen, jeden Christen als ihm von vornherein körperlich überlegen zu halten, daß sie in ihm eine Art „höheres Wesen" in physischer Hinsicht sehen. Daher ist ein Hauptzweck des jüdischen Turnens, der jüdischen Jugend wieder das fehlende Selbstbewußtsein zu verschaffen, das wird ihm mehr Selbstvertrauen in seine eigenen Kräfte geben und damit wird das Gefühl der körperlichen Inferiorität gegenüber Angehörigen eines anderen Stammes schwinden! Wie einige Uebungen in der Halle, so z. B. der Tiefsprung, ganz besonders zur Ueberwindung der Aengstlichkeit beizutragen geeignet sind, so gilt dies vielleicht in hervorragenderem Maße von solchen im Freien, wie sie in den zahlreichen Variationen bei den verschiedenen Sportarten vorkommen. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen aber hierbei auch die Turnfahrten. Wohl nirgends tritt das Solidaritätsgefühl intensiver auf wie