Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 7 (7.1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965121-5965327--3036-4925832- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 7 137 nassim. „Ein jüdisches Reck" (wie Rabbiner Werner einst meinte) gibt es nicht, aber eine jüdische Volkshygiehe. Das bezeugt uns nicht zuletzt die Dresdener Hygiene-Ausstellung. Wer ist aber heute die Hüterin der jüdischen Hygiene? Wir müssen konstatieren, daß die überlieferte Religion die alleinige Beschütze rrolle ausgespielt hat. Im. Mittelalter war sie noch entwicklungsfähig. Ich erinnere daran, daß hier unsere Großen, z. B. Maimonides, gerade auf religiöser Qrundlage die Hygiene des Volkes weiter ausbauten. Die moderne Hygiene-Entwicklung hat aber Jiur in der jüdischen Turnerschaft einen wahrhaften Interessenten. Wird es auch diese machen, wie die Vertreter der deutschen Judenheit, daß sie kein Herz und keinen' Sinn für alle Fragen der jüdischen Volksgesundheit hat? Anfänge sind ja auch bei den Offiziellen vorhanden. Sind denn Krankenanstalten nicht Vorsorge iür die Gesundheit? Aber sollen wir nicht vorbauen und uns rüsten, bevor wir krank werden? Beginnt das Interesse an der jüdischen Gesundheit nur dann, wenn wir Blinde, Taubstumme, Geisteskranke, innerlich oder äußerlich ganz deutlich sichtbar Gekennzeichnete xtreffen? Die Notabein, welche in den Gemeindestub&n hocken und wie immer zu spät eingreifen, wenn die Gele'genheit vorbei ist, sie verstehen die Forderungen des Volkes und der Zeit nicht. Lassen wir sie schlafen, die falschen Hüter Israels! Aber wir wollen uns annehmen der jüdischen Hygiene! Man verstehe mich nicht falsch! Abstinenz und auch Ernährungsfrage sind nur kleine Bruchteile des Komplexes der jüdischen Eugenik (Lehre von der Volkswohlfahrt). Auf weitere wichtige Punkte bzw. auf die sexuelle Hygiene will ich nach dieser Klarlegung der ganzen Strecke später eingehen. * Das Problem des jüdischen Mutes. Von Georg W o 1 f f - Charlottenburg. Die Frage des „Judenmutes" ist in der „Jüdischen Turnzeitung" bereits früher von Elias Auerbach behandelt worden. Es ist aber wohl angebracht, dieses in der Jüdischen Turnbewegung stets aktuelle Thema wieder anzuschneiden und zur weiteren Diskussion zu stellen. Die allgemeine psychologisch-wissenschaftliche Erklärung des persönlichen Mutes will ich berufeneren Federn überlassen. Auerbachs Definition, der Mut in viel höherem Grade von dem Menschen erworben und ihm anerzogen werden kann, als er ihm angeboren ist, dürfte wohl das Richtige treffen. Es soll hier daher nur kurz untersucht werden, ob der bekannte, den "den stets gemachte Vorwurf mangelnden Mutes berechtigt ist, welche ■"Sachen ihm zugrunde liegen und wie hier Abhilfe geschaffen werden kann. Es kann nun .kaum einem Zweifel unterliegen, daß die jetzt lebende ludische Generation, wenigstens in Westeuropa, der unmittelbar voran-