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Jüdische Turnzeitung · 1911-07-01 · 7 (7.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
7 (7.1911)
Date
1911-07-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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136 No. 7 ist wohl wissenschaftlich nicht zu widerlegen. Es mag freilich bequemer sein, Konzessionen an die Menge zu machen, und spez. „um in vielen Kreisen keine Beunruhigung hervorzurufen" (Hecht) diese wichtige Forderung fallen zu lassen. Ich bin aber sicher, daß, wenn die Jüdische Turnerschaft eine alles erfassende hygienische Bewegung unter den assimilierten Westjuden werden will, sie sich um die Alkoholfrage nicht wird drücken können. Hat doch auch die Deutsche Turnerschaft so oft von den bösen Abstinenten sich bestürmen lassen müssen. Die Deutsche Turnerschaft ist sich bis heute gleich geblieben. Sie ist wirklich keine allumfassende Bewegung; für alle Fragen der körperlichen Volkswohlfahrt geworden. Es ist aber doch nicht unwahrscheinlich, daß ihr wohltätiger Einfluß größer wäre, wenn sie auch moderne Postulate übernähme. Eisenstadt hat neben der Alkoholbekümpfung auch dem Vegetarismus das Wort geredet. Auch hier hat er sich ein Verdienst erworben. Denn es besteht kein Zweifel, daß die Propagierung dieser Ernährungsmöglichkeit unsern nervösen Brüdern sehr gute Dienste leisten würde. Ich hekenne mich dabei zu absolut keinem Doktrinarismus. Ich schätze die sogenannte gemischte Ernährung und möchte nicht dem ausschließlichen Vegetarismus so ohne weiteres das Wort reden. Aber daß die fleischlose Kost besser ist als die fleischreiche, steht schon heu.te, man darf wohl sagen, bei der Mehrzahl derer, die praktisch und theoretisch die Sache studiert haben, fest. Wobei natürlich nicht zu bestreiten ist, daß das Gute nicht immer getan wird. Aber unsere Bewegung muß die idealen Momente hochhalten und darf nicht allzu große Konzessionen an die Menge machen. Sie muß zum mindesten aligemeine Leitsätze aufstellen. Und da kann ich nicht umhin, den Satz Eisenstadts zu unterstreichen: „Mit »Mäßigkeit' gibt man kein Beispiel, und wo bleibt bei der Mäßigkeit die Grenze?! Besonders richte ich diese Mahnung an die Jüdische Turnerschaft. Unsere Vorfahren kannten keine Trinksitten, die jetzt bei den Juden der verschiedensten Länder so um jich greifen. Die guten Leistungen des Turnens und des Sports werden durch anschließenden Bier- oder Weingenuß wieder aufgehoben. Es ist also Pflicht unserer Vereinsvorstände, in den offiziellen Sitzungen der Vereine ein für allemal alkoholische Getränke zu verbieten. Unsere lieben Turnbrüder müssen sich gewöhnen, an Limonade und Selters ebensolche Freude zu empfinden wie unsere Turnschwestern." Man muß die Motivierung hierzu an Ort und Stelle nachlesen. Icn möchte hier nur ebenfalls bemerken, daß das Turnen allein die Volksgesundheit nicht erhält. Gerade die Großstadtluft und noch mehr die Assimilation hat ein solches Heer von Schädigungen für uns Juden gebracht daß es der größten Anstrengung bedarf, „salutem mentis in corpore sano zu erhalten. Wir sind es von unseren kleinlichen Führern der Judenschaft te~ wöhht, einen ganz kleinen Horizont zu überschauen. Wohin das im großen führt, zeigt mein eben erscheinendes Werk „Der Untergang der deutschen Juden"*). Aber wir sollten uns frei machen von der Politik unserer P*r' *) Verlag von Ernst Reinhardt, München 1911.

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