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Jüdische Turnzeitung · 1911-07-01 · 7 (7.1911) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
7 (7.1911)
Date
1911-07-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 7 135 Jüdische Hygiene und jüdische Turnbewegung.*) (Zugleich ein Wort der Erwiderung an Dr. Eisenstadt und Hecht.) Von Dr. med. Felix A. Theilhaber-Jena. Die jüdische Turnbewegung ist die Bewegung, welche die körperliche Hebung der Juden als ihre Aufgabe betrachtet, so muß ich ab ovo beginnen. Die physische Regeneration (um mit diesem Ladenhüter, der mir aber gerade hier recht passend erscheint, zu beginnen) ist also das Ding an sich, das Turnen das Mittel. Viele unserer Freunde aber werden solche Turnfanatiker, wenn auch manchmal nur in Generalversammlungen, daß sie den eigentlichen Zweck außer Auge verlieren, resp. die Perspektive unrichtig nehmen. Ich hatte, es war wohl im Jahre 1907, an gleicher Stelle eine Lanze für den Sport als selbständiges Mittel eingelegt. Damals gab es auch eine geschlossene Opposition, welche dieser Betätigung als der Körperkultur-Bewegung unter den Juden die innere Berechtigung abstritten. Ich glaube, die Zeiten haben auch hier eine Aenderung gezeitigt. Ich weiß allerdings nicht, ob die jüdischen Sportvereine aus organisatorischen oder aus prinzipiellen Gründen den Anschluß an die »Turner"schaft nicht gefunden haben. Ich möchte jedoch nur in Parenthese diese letztere Frage gestreift haben. Der Kernpunkt unseres Problems ist doch der: Hat die jüdische Bewegung, welche die körperliche Hebung der Juden erstrebt, nicht die Aufgabe, all den Komplex der wichtigen Lebensmaßregeln für die Volksgesundheit, für das körperliche Wohl der Juden vor ihr Forum zu ziehen? Ich glaube wohl! Dann ist es auch ein großes Verdienst Dr. H. L. Eisenstadts, daß er als eine klipp und klare Forderung die Bekämpfung des Alkoholismus und des reichlichen Fleischgennsses aufstellt. Hecht findet in dem Artikel Eisenstadts zu wenig positive Vorschläge. Ich möchte fast sagen, das Postulat der unbedingten Abstinenz ist u. a. ein hervorragendes präzises und positives. Allerdings mag die Zeit der Stellungnahme zu diesem für Hecht „höchst strittigen Problem der Enthaltsamkeit" noch nicht gekommen sein. Aber für, ich kann wohl sagen, nicht die am wenigsten weitblickenden Hygieniker unserer Zeit ist die unbedingte Abstinenz eines der besten Remedia populorum. Daß die alkoholfreie Kultur auch uns Juden nur gute Dienste leisten würde, halte ich für sicher. Ich möchte nicht zu weitschweifig werden und überlasse es gerne Berufeneren darauf einzugehen. Aber das, was Eisenstadt über den Einfluß des Alkohols und speziell auf die sexuelle Hygiene gesagt hat, n *) In der Märznummer dieses Jahres verbreitet sich an gleicher Stelle "r- H. L. E i s e n s t a d t Uber das Thema: . Körperliche Uebung und sexuelle »ygiene". Die Ausführungen, auf deren hervorragenden Wert ich noch' in aem Artikel zurückkommen werde, haben leider nur einen ungenügenden Widerhall gefunden. Lediglich die Nr.V brachte einen kurzen Artikel, Welcher der Frage in keiner Weise auch nur annähernd gerecht wird. Ich nätte gern die weitere Behandlung Kreisen überlassen, die der Turnbewegung Bekannter sind als ich, und greife nunmehr, da das Problem anscheinend in Vergessenheit gerät, nur um der Sache willen, in die Debatte ein.

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