Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 7 (7.1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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134 No. 7 schinen (namentlich zur Bewässerung der Orangenplantagen) und verbesserten Geräten gingen die jüdischen Kolonisten voran. In den Kolonien lebt, wie wir gesehen haben, nur ein geringer Teil der Juden Palästinas, dessen jüdische Bevölkerung auf 95 000 veranschlagt wird. Die meisten wohnen hier wie anderwärts in den Städten. Die Kolonisatiönsbestrebungen und die damit verbundene Einwanderung von Juden nach Palästina haben aber auch das Bild der städtischen Juden Palästinas gegen früher wesentlich verändert. Während die älteren Einwanderer aus Elementen bestanden, die ein frommer Drang nach dem Heiligen Lande trieb und die zumeist von der Unterstützung der europäischen Judenheit lebten, sind die neuen Einwanderer Kaufleute und Handwerker, Gewerbetreibende aller Art, die Handel, Industrie und Handwerk in den Städten beleben. Die jährliche Einwanderung nach Palästina und Syrien seit den großen Progromen in Rußland ist ziemlich stetig geblieben und beträgt etwa 2000 im Jahr. Sie rekrutiert sich mehr und mehr aus der Mittelklasse, die Kapital und Unternehmungsgeist ins Land bringt und die bereits viel zum Aufblühen des Landes beigetragen hat. Es muß merkwürdig anmuten, daß gerade diese erfolgreichen Bestrebungen der Juden in Palästina, die dem Lande so großen Nutzen bereits gebracht haben, in der letzten Zeit zum Gegenstand heftiger politischer Erregungen in türkischen Kreisen geworden sind, weil Einige glauben machen wollen, daß durch die Siedlungen sowie durch die Tätigkeit der Juden in Palästina überhaupt der Türkei ein neuer Nationalitätenkonflikt drohe. In der Geschichte des türkischen Reiches gibt es kaum ein andres Bevölkerungselement von so erprobter Treue für die Türkei wie die Juden. Trotzdem ihnen von jeher zur Regelung ihrer eigenen Angelegenheiten eine gewisse Selbständigkeit allzeit eingeräumt worden ist, haben sie diese nie benutzt, um der Türkei - Schwierigkeiten zu machen. Es darf als ausgeschlossen gelten, daß die kolonisatorische oder sonstige Arbeit in Palästina an dieser Treue der Juden für die türkische Herrschaft etwas ändern werde. Daher sollten die Erfolge in Palästina die Türkei veranlassen, die Einwanderung der Juden nach Palästina und nach allen Teilen des türkischen Reiches zu ermuntern und zu fördern. Die geringe Bevölkerungsdichte der türkischen Länder verlangt nach einer starken Einwanderung, wenn das Land zu einer gesunden und natürlichen Entwicklung kommen will. Für eine Einwanderung nach der Türkei sind die Juden Osteuropas besonders geeignet. Die Entfernungen sind verhältnismäßig gering, das Milieu ist ihnen vollständig fremd, sie können nicht nur ihren Unternehmungsgeist, ihre Geschicklichkeit, ihren Fleiß und auch ihr Kapital in den Dienst des türkischen Reiches stellen, sie bringen zudem noch wertvolle Handelsbeziehungen mit Europa in das ottomanische Reich mit. Die Türkei würde durch eine Begünstigung der jüdischen Einwanderung ihrer historischen Tradition treu bleiben. Von der Begründung des türkischen Reiches an war es immer in den schweren Zeiten der Verfoleung der Juden ein offenes und sicheres Asyl für die wegen ihres Glaubens Qphttzten. Seit einigen Jahren hat nun die Unterdrückung der Juden W Rußland mit größerer Grausamkeit eingesetzt. Wenn die Türkei den begrängten Juden Rußlands in größerer Zahl als es bisher der Fallv war, eine Heimat bieten würde, dann könnte sie zweifellos einen Stamm neuer Bürger sich erziehen, der für die Entw'c*" lung des Reiches von unschätzbarer Bedeutung wäre.