Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 7 (7.1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
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No. 7 133 lieh an Zahl den Spaniolen weit zurückstehend, bilden heute in manchen Städten der Türkei bereits ansehnliche Gemeinden. Die wirtschaftliche und soziale Lage der türkischen Juden ist für die großen Massen nichts weniger als glänzend. Nach einer verhältnismäßig kurzen Blütezeit im Mittelalter gerieten die türkischen Juden mit dem Niedergang des osmanischen Reiches und bei der jahrhundertelangen Stagnation in einen schweren wirtschaftlichen und geistigen Verfall, aus dem sie sich erst in unseren Tagen sichtlich, wenn' auch langsam erholen. Das plötzliche, fast wunderbare Erwachen der Türkei, die Neugestaltung der politischen Verhältnisse, die politische Freiheit und die beginnende aufsteigende wirtschaftliche Entwicklung hat auch in die dumpfe Abgeschiedenheitder türkischen Juden Licht und Luft gebracht, und in fleißiger Arbeit, in treuer Anhänglichkeit an das Reich, in neu angeregter Rührigkeit wirken sie mit an dem Aufbau, der Qröße und der Wohlfahrt der neuen Türkei. Die Gruppierung der jüdischen Bevölkerung in den großen Städten und Handelszentren trägt dazu bei, daß sie belebend vor allem auf Handel und Verkehr, auf Industrie und Technik einwirkt. Die neueingewanderten Elemente unter den Juden stehen hier in vorderster Reihe. Da diese dem aschkenasischen, gewissermaßen dem deutschsprachigen Teile der Juden angehören, so wtrden auch dem deutschen Handel und dem. deutschen Unternehmungsgeist durch die Juden viele neue Wege geöffnet. In der Türkei haben die Juden in hohem Grade auch ihre Eignung zur landwirtschaftlichen Arbeit erwiesen. Eine schöne Probe ihrer Leistungsfähigkeit auf diesem Gebiete sind insbesondere die jüdischen Siedlungen in Palästina. Von einer eigentlichen jüdischen Kolonisationstätigkeit in Palästina kann man erst seit dem Beginn der 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts sprechen. Damals begannen die großen russischen-Judenverfolgungen, und wie so oft in den Drangsalen der Jahrhunderte, richteten die Verfolgten ihren Blick nach der Türkei. Von den Vertriebenen und Bedrohten wanderten einige tausend von Rußland nach Palästina, um sich dort als Ackerbauer eine neue Existenz zu gründen. Die tapferen Versuche gelangen nur zum Teil. Widrigkeiten und Rückschläge aller Art drohten lange Zeit das Kolonisationswerk zu vernichten, aber die zielbewußte Ausdauer führte schließlich zu einem guten Erfolg. Aus den kleinen Anfängen heraus hat sich in den 30 Jahren das Kolonisationswerk in Palästina in schönster Weise entwickelt. Heute gibt es l'ber 30 jüdische Kolonien, deren Bodenfläche ca. 40 000 ha beträgt, und die eme Bewohnerzahl von 8000 Seelen haben. Die Kolonien liegen in den west-jordanischen Landesteilen und bilden drei Gruppen, deren bedeutendste rings um Jaffa gelagert ist. Eine zweite Uruppe ist in der Nähe der Städte Tiberias und Safed, die übrigen befinden Slch zumeist in der Küstenebene südlich von Haifa. Als die Kolonisation begann, wurde in der Hauptsache Weinbau belieben. Jetzt ist die Kultur schon wesentlich vielseitiger; man baut Getreide, Wein, Orangen, Oliven und Mandeln. Sehr viel haben die jüdischen Ansiedler zur Sanierung des Landes beigetragen durch die zahlreichen Eu- Kalyptuspflanzungen, die "sie angelegt haben. _ Die landwirtschaftlichen Leistungen der Juden werden uneingeschränkt selbst von neutraler Seite anerkannt. Vorbildlich haben besonders die jüdischen Baumpflanzungen gewirkt, aber auch in der Verwendung von Ma-