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Jüdische Turnzeitung · 1911-07-01 · 7 (7.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
7 (7.1911)
Date
1911-07-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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132 und dann etwa über „die Kaufmannsgerichte" vorzutragen, bemäntelt und stärkt nur die Unwissenheit und die pseudowissenschaftliche Manier, über alles mitzureden ohne gründliche Kenntnis der Dinge. Sind dieses die allgemeinen Gründe, die man gegen das Prinzip der neutralen Jugendvereine anführen kann, so stehen wir Nationaljuden ihnen besonders skeptisch gegenüber. Wie oben schon gesagt, haben sich viele von uns ernstlich in den Dienst dieser Vereine gestellt. Sie, dürfen ihr Nationaljudentum hier nicht hervortreten lassen und gewöhnen sich ans Leisetreten. Unsere junge Bewegung braucht aber Kampfnaturen und kann das Kompromisseschließen vorläufig noch nicht vertragen. Und hierin liegt die größte Gefahr für uns, die nicht genügend betont werden kann. Machen wir es nicht wie jene moderne Frau, die sich ganz in den Dienst der sozialen Kinderfürsorge stellte tnd darob keine Zeit hatte, für ihre eigenen Kinder zu sorgen. Es sei den Nationaljuden Deutschlands und ihren offiziellen Führern dringend ans Herz gelegt, daß sie sich vor allem den nationaljüdischen Jugendorganisationen mit aller Kraft und Energie zu widmen haben, die ihnen einen gesinnungsstarken Nachwuchs erziehen. Wenn sie im eigenen Heim ihre Pflicht, getan, mögen und sollen sie sich der Allgemeinheit widmen. Es liegt uns fern, den Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands irgendwie zu bekämpfen. Es war unsere Aufgabe, seine Schattenseiten zu beleuchten, um zu ihrer Beseitigung beizutragen. Wenn sich recht viele unserer Freunde den neutralen Jugendvereinen widmen, muß es gelingen, in ihnen — selbst auf neutraler Basis — mehr positiv-jüdisches Leben zu erzeugen und wenn die jüdische Jugend sich ernstlich mit ihren eigensten Problemen befaßt, wird ein großer Teil sich schnell zum Nationaljudentum bekennen. Henry Unna. Die Juden in der Türkei. Von Dr. Bernhard Kahn*). In den Ländern der Türkei leben etwa eine halbe Million Juden. Davon kommen nicht ganz 200 000 auf die europäische Türkei, 20 000 auf das türkische Nordafrika (Tripolis) und mehr als eine viertel Million auf die asiatischen Reichsteile. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind die Juden in den großen Städten konzentriert. So finden wir in Konstantinopel ca. 70 000 Juden, in Saloniki (unter 150 000 Einwohnern) 80 000, in Jerusalem (unter 95 000 Einwohnern) 60 000, in Bagdad 50 000 und in Smyrna 35 000 Juden. Weitere größere jüdische Gemeinden, die zwischen 10 000 und 20 000 Seelen aufweisen, gibt es in Adrianopel, Aleppo, Damaskus, Safed und Jaffa. Während der mannigfachen Verfolgungen der Juden im Mittelalter war die Türkei den Bedrängten stets freundlich gesinnt und öffnete den aus anderen Ländern Vertriebenen gern das Land. Insbesondere hat die Türkei die Massen der aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden aufgenommen, deren Nachkommen, die noch ein spanisches Idiom sprechen, heute de» Grundstock der jüdischen Bevölkerung der europäischen Türkei bilde". (Spaniolen). Die Einwanderer des 19. und 20. Jahrhunderts rekrutierten sich vornehmlich aus den osteuropäischen Juden (Aschkenasim); auch diese, »*'* •) „Die Hilfe" (Berlin - Schöneberg) bringt soeben feine Türken- Nummer heraus, der wir den obigen Artikel entnehmen. Die Red.

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