Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 7 (7.1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 131 alle Gegensätze überbrücken kann?? Die Antwort auf diese Frage wird man uns einfach schuldig bleiben. Und so lange sie offen bleibt, fehlt dem neutralen Verbände die historische Basis. Zum Zweiten: Ist es überhaupt im Sinne der Erziehung unserer Jugend wünschenswert, sie unter dem Programm der Programmlosigkeit zu vereinen? Die Jugend (es handelt sich ja nicht um Kinder, sondern um Leute Im Alter von ca. 20 Jahren!) ist die Zeit, in der man beginnen soll, selbständig zu werden, aus allem Erfahrenen und Erlebten eigene Konsequenzen zu ziehen, kurz: man soll nach einer gewissen Reife im Denken und Handeln streben. Qilt dieses für alle Menschen, so verlangen wir es doppelt dringend von der Jugend unseres Volkes. Die hundertfachen. Probleme, die wir heute mit dem Schlagwort „die Judennot" zusammenfassen, haben sich auf das Aeußerste zugespitzt und heischen energisch eine baldige Lösung, wenn wir nicht unter ihrer Last zugrunde gehen sollen. Und. jeder Jude, dem die Erhaltung des. Judentums und der Judenheit etwas gilt, muß irgendwie Stellung nehmen zu diesen Problemen und für seine Person nach besten Kräften zu einer Lösung streben. Haben wir aber irgendeine Lösung subjektiv als die richtige erkannt, so ist es unsere erste jüdische Pflicht, uns ganz in den Dienst ihrer Erfüllung zu stellen. Der Durchschnittsjude ist selbstverständlich außerstande, allein durch eigenes Denken zu einem Ziele zu kommen. Es ist vor allem seine Pflicht, Stellung zu nehmen zu den schon vorhandenen Faktoren, die eine Lösung der Judenfrage erstreben. Noch niemals ging die Rettung eines Volkes von bedächtigen Greisen aus, immer war es die tatenfrohe, stürmische Jugend, die ein historisches Werden vorbereitete. Und so ist die Pflicht der reiferen Jugend vor allem, sich in den Dienst ihres Volkes zu stellen. Wir, die wir die Lösung der Judenfrage im nationalen Sinne erhoffen, müssen unsere ganze Kraft daran setzen, unsere Altersgenossen um die Fahne des jüdischen Nationalismus zu einen. In dieser Werbetätigkeit bedürfen wir eines gesunden Radikalismus, um unsere Ideen ■ ein und unverwässert zu erhalten. In diesem Punkte liegt für uns entschieden eine Gefahr in den neutralen Jugendvereinen. Es hat sich gezeigt, daß gleich nach ihrer Gründung sich sehr viele eifrige Nationaljuden in den Dienst der »euen Organisationen gestellt haben, da sie wirklich auf eine Rennaissance der jüdischen Jugend Deutschlands zu hoffen gewagt hatten. Aber die farblose Tendenz dieser Vereine hat es trotz der schönen von uns ererbten Schlagwörter (jüdisches Selbstbewußtsein etc.) nicht vermocht, ein wirklich Positiv jüdisches Leben zu erzeugen und die geübte Praxis der bunt aneinandergereihten Vorträge, die ja keine bestimmte Tendenz verraten durften, konnte das Interesse der Jugend nicht auf die Dauer erhalten. Es ist auch das ein Prinzip der Jugendbünde, das sie entscheidend von uns trennt. Bei uns ist jedes Mitglied zu positiver Mitarbeit gezwungen und jeder Turnabend ist ein zweifelloser Fortschritt im Sinne unserer Regeneration. Die Mitglieder der Jugendbünde dagegen lassen einige Herren im Vorstand die Arbeit leisten und kommen quasi als passive Zuhörer zu den Vereinsveranstaltungen. Sie können deshalb mit den Vereinsinteressen nicht eng verwachsen und andererseits kann von irgend einer erzieherischen Wirkung kaum die Rede sein. Das Problem der jüdischen Jugend kann aber nur als eine Erziehungsfrage aufgefaßt werden. Das Wollen der jungen Juden muß wieder jüdisch werden, ihre Interessen müssen in erster Linie auf jüdischen Gebieten liegen. In diesem Sinne muß unsere Jugend zielbewußt .beeinflußt werden. Dann wird sie aus eigenem Antriebe das Studium der jüdischen Qeschichte und aller jüdischen Wissenschaft systematisch betreiben und wirklich Vorteile davon haben. Aber die systemlose Art, den Jungen heute über „die Juden im Mittelalter", morgen über „Ooethe und die Juden"