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Jüdische Turnzeitung · 1911-07-01 · 7 (7.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
7 (7.1911)
Date
1911-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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130 No. 7 hohen Geldmitteln der U. O. B. B.-Logen und des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im Sommer 1909 mit 25 Vereinen, die eine . Zahl von 1295 Mitgliedern repräsentierten. Jetzt besitzt er bereits die stattliche Zahl von 70 Vereinen mit 8669 Mitgliedern. Während die Einnahmen des Verbandes an Vereinsbeiträgen ca. 2800 M. betrugen, beliefen sich die von anderen Organisationen und wohlwollenden „Gönnern" gestifteten Gelder auf die recht imposante Summe von ca. 6800 M. (!). Uns läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn wir diese Zahlen betrachten! Uns schenkt niemand so überaus nobel und trotz heißen Bemühens haben wir es — offen gestanden — zu dieser Mitgliederschaar in Deutschland bei weitem noch nicht gebracht. Haben jene besser gearbeitet als wir, oder woher sonst der eklatante Unterschied des zahlenmäßigen Erfolges? Des Rätsels Lösung ist einfach und natürlich. Sie liegt im Grundprinzip, das uns vom Verbände der Jugendvereine trennt. Als man den Verband gründete, war man schlau genug, ihm keine (ausgesprochen) antinationale Tendenz zu verleihen. Man sagte sich jedenfalls, es würde ein Sturm der Entrüstung in den Reihen der Jüdisch-Nationalen entbrennen und nach einem heftigen Kampfe würde der Verband — zum Mindesten moralisch — unterliegen. Das wäre nur gute Propaganda für unsere Ideen gewesen. Also man war schlau, sehr schlau und gab dem neuen Verbände die Tendenz der Tendenzlosigkeit. Parole: die jüdische Jugend dürfe nicht durch die Verschiedenheit der Anschauungen in hundert Lager gespalten werden. Nationale, Liberale, Orthodoxe, Atheisten " einigt euch! „Nicht was uns trennt, wollen wir betonen, sondern was uns eint, da wir doch alle Brüder sind". Wunderbare Reden lassen sich in diesem Sinne halten und sind gehalten worden. Und massenhaft strömten die jungen Juden in die neutralen Jugendvereine. Es war ja so unendlich einfach. Nichts wurde verlangt, gar nichts. Der Beitrag ist sehr gering und vor allem wurde man mit keiner Gesinnungsfrage belästigt, die Mitgliedschaft bringt zweifellos gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorteile — sage mir Einer, warum man nicht Mitglied werden sollte! Wie wir uns überhaupt von jeder Erfolganbeterei freimachen sollen, dürfen wir den Wert des Verbandes der Jugendvereine also gewiß nicht nach seinen zahlenmäßigen Erfolgen beurteilen. Fragen wir uns einmal ruhig und sachlich: Welchen Wert hat im jüdischen Sinne ein neutraler Jugendverband und wie haben wir Nationaljuden uns zu ihm zu stellen? Im ersten Moment hat die neutrale Tendenz sicher etwas ungemein Bestechliches und ein gewisses moralisches Verantwortungsgefühl schreckt Einen ab, ihr die Berechtigung abzusprechen, selbst wenn man wollte oder müßte. Zunächst: was ist denn überhaupt das Einigende in der heutigen Judenheit? Man hört sehr oft (selbst von Erziehern unserer Jugend) die betrübende Antwort, der Kampf gegen den Antisemitismus sei unser einigendes Band. Wenn die Judenheit nichts anderes zusammenhielte, hätte sie wahrlich keine Existenzberechtigung. Also was? Wir Nationalluden wissen, daß alle Juden auf Grund ihrer Abstammung und ihrer gleichen Geschichte der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unbedingt zusammengehören. Aber was eint den Liberalen, der das Judentum konfessionell auffaßt, nach seiner Meinung mit einem orthodoxen Zionisten? Was eint den fanatischen Orthodoxen, der einen religionslosen Juden nicht anerkennt, nach seine'r Meinung mit dem Atheisten. Man muß doch alle Dinge bei Tageslicht besehen und sie so nehme"» - wie sie sind und nicht, wie sie hätten sein können oder sollen! Was ist das von allen Parteien gleichermaßen Anerkannte im Judentum, das wirklich

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