Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 6 (6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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120 No. 6 zweitens von Zeit zu Zeit immer mehr die Temperatur des Wassers herabsetzen, um täglich auch eine Gymnastik der Haut zu treiben. Wenn unsere Haut sich erst einmal an den plötzlichen Wechsel von ärme und Kälte gewöhnt hat, so werden wir nicht mehr unter Erkältungen, Husten und Schnupfen, und wie jene Teufel sonst noch alle heißen mögen, zu leiden haben. Aber mögen wir nie vergessen, nur langsam und vorsichtig, nur von Woche zu Woche und von Grad zu Grad die Temperatur nachzulassen'. Nur so haben wir die Gewißheit, unser Herz nicht zu schädigen. Und vergessen wir nie: Das Herz ist es in erster Linie, das wir durch unsere Uebungen kräftigen wollen. Was nützen uns die stärksten Muskeln, sobald unser Herz bei größeren Anstrengungen versagt? Sie alle haben wohl schon davon gehört, daß die Mehrzahl der Athleten und Ringer, und wie jene eklen Kraftprotzen sich sonst noch nennen mögen, bereits im besten Mannesalter starben? Wir können es uns nicht genug einprägen, daß es gewisse Grenzen der Gymnastik gibt, deren Ueberschreitung sich auf das bitterste rächt. Wo liegen nun diese Grenzen? Bei jedem von uns verschieden. Aber es gibt für jeden ein untrügerisches Warnungszeichen, bei dessen Eintreten wir eine weitere Fortsetzung der jedesmaligen Uebung zu unterlassen haben. Und das ist ein übermäßig schneller oder gar unregelmäßiger Herzschlag. Haben wir uns erst einmal daran gewöhnt, uns selbst zu beobachten, so werden wir jene Signale sofort wahrzunehmen lernen. Aufhören mit der Uebung und eine kurze Pause, bis das Herz wieder ruhig schlägt! Die japanische Gymnastik kennt hierzu ein ausgezeichnetes Mittel: Man lege sich lang auf den Boden, spreize die Beine und Arme seitwärts und atme ruhig und tief. Auch bei übermäßiger Erregung unseres Nervensystems ist diese Art des ruhigen Atmens zu empfehlen. Jedenfalls wollen wir uns das eine einprägen: niemals des Guten zu viel zu tunl Muten wir unserem Herzen eine zu große Arbeit zu, so wird es freilich im aligemeinen unserem Befehle nachkommen, aber nicht ohne 7Citweisen oder gar dauernden Schaden zu nehmen. Bei übermäßiger Inanspruchnahme vermag das Herz nicht mehr die genügende Blutmenge durch die Gefäße zu treiben, und es tritt dann jener ebenso gefährliche wie bei unseren Sportsleuten heute leider noch so häufige Zustand der Herzerweiterung ein. ist es nicht für den heutigen Stand unserer Körperkultur beschiimend, wenn von vier bekannten hiesigen Ruderern, die zusammen manchen Preis errungen haben, keiner für militärtauglich befunden wurde? Und wenn ferner aus den Kreisen unserer Militärärzte immer wieder und wieder betont wird, daß die größte Mehrzahl der „starken Männer" von vornherein an Herzerweiterung leidet? Diese Klippe zu meiden, muß unsere vornehmste Pflicht sein, und wir wollen daher nicht nur jene bereits mehrfach erteilte Mahnung beachten, sondern wollen überhaupt von vornherein alle Uebungen ausschalten, die unser Herz in höherem Maße belasten. Wir wollen sie solange ausschalten, bis unser ganzer Körper, und damit auch unser Herz, durch einfachere Uebungen soweit gestärkt ist, daß wir uns auch unbeschadet an jene heranmachen können. Wir unterscheiden sowohl bei Freiwie bei Gerät- und Sportübungen solche von dreierlei Arten: Gewandtheitsübungen, Dauerübungen und Kranübungen. Die ersten, die ich nicht anstehe, für die allerwichtigsten z» halten, zielen in erster Linie auf den Erwerb von Geschicklichkeit, Schlagiertigkeit und Anmut hin. Sie bewirken jenes Etwas, das ein geübtes Auge den Turner und Sportmann herauserkennen läßt. Die Dauerübungen zielen in erster Linie auf die Kräftigung von Herz und Lungen hin, vorausgesetzt, daß man unsere Maßregeln beachtet. Erst in zweiter Hinsicht bewirken sie