Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 6 (6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6 115 tären Einwirkung dieser chronischen Infektion. Sonst aber sind die Juden den ansteckender. Krankheiten gegenüber nur günstiger gestellt im Kindesalter, wo Masern, Scharlach, Keuchhusten und Diphtherie bei ihnen meist weniger Opfer fordern, weil selbst arme jüdische Kinder, sich in dem Elternhause durchschnittlich guter Pflege zu erfreuen haben. Am auffälligsten ist die überaus günstige Ziffer der Säuglingssterblichkeit bei den Juden. Sie ist darauf zurückzuführen, daß es weniger uneheliche jüdische Neugeborene gibt, die ja allenthalben das größte Kontingent zu der hohen Säuglingsmortalität stellen, und die Kinder im allgemeinen sorgfältigere Abwartung genießen, z. B. häufiger die naturgemäße Ernährung durch die Mutterbrust erhalten. An Lebensschwäche sterben mehr jüdische Neugeborene, aber weniger an Darmkatarrh, Lungenentzündung usw. Die geringere Säuglingssterblichkeit ist nicht etwa nur eine absolute wegen der niedrigeren Geburtenziffer bei den Juden, die sich in den letzten Jahrzehnten andauernd noch vermindert hat, anscheinend infolge ihrer in den Kulturstaaten zunehmenden materiellen Wohlhabenheit, mit der auch bei Andersgläubigen überall eine Abnahme der Geburten einherzugehen pflegt. Bei den Juden tragen noch andere Momente Schuld an dieser höchst bedenklichen Erscheinung: die Männer heiraten weniger und in späterem Alter. Die Christen haben eine reiche Vermehrung vornehmlich durch die Arbeiterschaft, die früh heiratet und viel Kinder hat. Dieser Mangel an einer Arbeiterschaft erklärt zahlreiche Abweichungen der jüdischen Mortalitätsstatistik von dem Durchschnitt der Gesamtster blichkeit. Ihr günstiger Stand wird, wie schon erwähnt, in erster Reihe durch die niedrige Säuglings- und Kindermortalität erklärlich, in zweiter Linie aber durch die im allgemeinen längere Lebensdauer. So gab es, um von vielen Beispielen nur eines herauszugreifen, 1895 in Berlin 33 Prozent mehr jüdische Qreise über 70 Jahre als christliche. Die Erreichung eines hohen Alters, welche auch von manchen orientalischen Völkerstämmen berichtet wird, ist keine rassenbiologische Eigenschaft, sondern nur die Folge maßvoller Lebensweise und besserer Ernährung, vielleicht bei den Juden auch dadurch bedingt, daß sie weniger in gefährlichen Berufen und Betrieben tätig sind. Ihre vorsichtige, von Extravaganzen meist freie Lebensweise befähigt sie wohl auch zu der leichten Anpassungsmöglichkeit in allen Ländern und Klimaten der Erde. Ebenso wenig wie den Juden ein ererbter, angeborener Rassenschutz innewohnt, besitzen viele eine Disposition für gewisse Krankheiten, die ihnen oft nachgesagt wird, zumeist in der Absicht, um sie auch dadurch als eine besonders gekennzeichnete Rasse zu brandmarken: das häufigere Auftreten gewisser Krankheiten soll das untrügliche Zeichen körperlicher Degeneration sein! Eine kritische Betrachtung der vorliegenden Statistiken läßt aber auch hier solche Schlußfolgerungen als gänzlich unberechtigt erscheinen. Es gibt keine Krankheiten, die den Juden eigentümlich oder charakteristisch sind. Wenn einige Krankheiten bei ihnen häufiger vorkommen oder zu sein scheinen, so ist letzteres Folge einseitiger Statistiken, ersteres auf ganz andere Ursachen als Rassenanlage zurückzuführen. Was zunächst die Zuckerkrankheit anlangt, die in aller Welt als ein Entartungssymptom der jüdischen Rasse gilt, so beruhen die darauf