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Jüdische Turnzeitung · 1911-06-01 · 6 (6.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
6 (6.1911)
Date
1911-06-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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114 No. 6 Die Krankheiten der Juden. Von Prof. Dr. med. A 1 b u - Berlin. (Auszug aus einem am 6. März 1911 im Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gehaltenen Vortrage*.) Die Juden sind so wenig wie die meisten anderen Volksstämme eine einheitliche Rasse im anthropologischen Sinne. Schon im Altertum lassen sich unter den Juden 11 Prozent Blondhaarige nachweisen, die durch frühzeitige Mischung mit der arischen Völkergruppe entstanden sind. Die Juden sind das beste Beispiel dafür, daß eine Rasse nicht unveränderlich ist. Unter den heutigen Juden Londons hat eine neue anthropologische Untersuchung bereits 20 Prozent arischer Rassensymptome festgestellt. Außer der Mischung mit anderen Volksstämmen kommt der Einfluß hygienischer und kultureller Verhältnisse in Betracht, deren günstiger Einwirkung die Juden fast ein Jahrtausend lang durch ihre Abgeschlossenheit in den Ghettos entzogen waren. Dieses beschränkte Milieu hat nicht nur ihre körperliche Entwicklung behindert, sondern in weit stärkerem Maße noch auf ihre Nerven- und Geistestätigkeit und auf ihr Seelenleben nachteilig eingewirkt. Die Erscheinung zahlloser, in jeder Hinsicht einwandsfreier Juden in modernen Kulturstaaten beweist, daß all die den Juden nachgesagten schlechten Eigenschaften und Krankheiten ihnen nicht rasseneigentümlich sind, sondern nur erworben durch die auf ungezählte Generationen hindurch fortwirkenden ungünstigen Umstände der äußeren Lebensverhältnisse. Nur solche vermögen Krankheiten hervorzurufen, niemals aber irgendwelche natürliche, angeborene Rassenanlage. Wenn man früher geglaubt hat, daß es einen Rassenschutz gegen Krankheiten, besonders infektiöse, gäbe, so hat neuere Wissenschaft die Haltlosigkeit all dieser oft nacherzählten Märchen erwiesen. So hat sich z. B. ergeben, daß die Neger von Malaria nur deshalb nicht befallen werden, weil bereits die Kinder in so umfangreichem Maße von dieser Krankheit durchseucht werden, daß die Erwachsenen sich dagegen als immun erweisen wie bei uns gegen Masern und Scharlach. Auch die Syphilis hat die Neger nicht verschont, nachdem sie ihnen durch den Verkehr mit den Kulturvölkern zugetragen worden ist. Es gibt überhaupt keine Rassenimmunität! Wenn die Juden im Mittelalter von Pest, Aussatz und Cholera weit weniger betroffen wurden als die Christen, so lag die Ursache darin, daß sie sich überall von der infizierten Bevölkerung abschlössen. Von den Pocken andererseits wurden sie in neuerer Zeit vielfach weniger heimgesucht, weil sie sich der als segensreich empfohlenen Impfung nicht entzogen. Die Sterblichkeit an Tuberkulose ist hier und da tatsächlich bei den Juden geringer, aber nicht infolge eines natürlichen Schutzes, sondern weil sie meist in besseren hygienischen und materiellen Verhältnissen leben, welche gerade für die Bekämpfung dieser Krankheit von ausschlaggebender Bedeutung sind. Sie sind auch gewohnt, ärztliche Ratschläge sorgfältig zu beachten. Schließlich schützt sie die A 1 ko h o 1 a b s t i n e n z von der dele- *) Aus „Im Deutschen Reich".

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