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Jüdische Turnzeitung · 1911-05-01 · 5 (5.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
5 (5.1911)
Date
1911-05-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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No. 5 97 sollen uns auf das ihm vorschwebende Ideal, die Frühehe, vorbereiten und deren Nutzen für unsere und der Nachfahren Gesundheit betonen. Trotzdem mußte ich schreiben, was ich schrieb, und fasse es noch einmal dahin zusammen: Die Behandlung der hier erörterten Frage verbietet sich in einer für Laien bestimmten Zeitschrift dann, wenn in den Mittelpunkt der Erörterung die Aufzählung schrecklicher Krankheiten und deren unerfreuliche Folgezustände gestellt werden, und wenn ferner über das höchst strittige Problem der Enthaltsamkeit Ausführungen gemacht werden, die geeignet sind, in vielen Kreisen Beunruhigung hervorzurufen, ohne daß zugleich durch geeignete Ratschläge darauf hingewiesen wird, worin denn nun eigentlich nach der Ansicht des Verfassers ein „sexualhygienisches" Leben besteht. Die Empfehlung der Frühehe füllt jene Lücke nicht aus. Die Frühehe ist sicherlich zu erstreben; solange dieses Ideal aber noch nicht verwirklicht ist, müssen wir dafür sorgen, auch vor der Ehe gesund zu leben und in eine später zu schließende Ehe einen gesunden Körper mitzubringen. Diesem Ziele wird uns die Stählung und Abhärtung des Körpers von Jugend an am besten näher bringen; nur so schaffen wir uns die Willenskraft, die uns befähigt, recht lange den Lockungen zu widerstehen, zu denen uns, besonders in der Qroßstadt, oft nur Gelegenheit und Nervenüberreizung ziehen. Die beste Sexualhygiene ist daher neben Turnen und Sporttreiben mäßige Ernährung und Vermeidung alkoholischer Getränke: hier kann man getrost den Ratschlägen Dr. E.s folgen. Aber wir müssen auch mit Tatsachen rechnen: „In einer Welt, in der Tausende ehelos bleiben, ist es nicht leicht, den Verzicht auf den elementarsten menschlichen Trieb aus moralischen Gründen zu fordern", sagt mit Recht Erich Schlaikjer. Wir müssen auch den Ehelosen eine Sexualhygiene empfehlen, die nicht enthaltsam leben, und das ist die Mehrzahl. Für diese gibt es, wie ich glaube, nur eine Sexualhygiene: die der Vorbeugung; schützt Euren Körper vor Erkrankungen mit allen Mitteln, die Euch die Wissenschaft zur Verfügung stellt; diese zu nennen, ist Sache der Aerzte. Ich hoffe aber auch, daß der Jüdische Turner Erwägungen idealer Art nicht außer acht lassen wird. Gerade der Turner soll sich die Freude am gesunden Körper bewahren, der uns im luft- und lichtlosen Ghetto verkrüppelt und dessen ästhetische Schönheit wir uns wiederzuschaffen suchen. Dieser sein Körper sollte jedem zu gut sein, ats daß er ihn, dem Naturdrange wahllos folgend, den Gefahren einer Erkrankung leichtsinnig aussetzte. Starke Selbstzucht ist eine gute Schutzwehr gegen jene Gefahren, sie darf aber nicht nur auf verstandesmäßigen Erwögungen beruhen, sondern muß einer inneren Freude an ästhetischer Schönheit entspringen. Wanderfahrten. Was ich nicht erlernt habe, Habe ich mir erwandert Goethe. Zu den glücklichen Eigenschaften, die in die Seele des Menschen sepflanzt sind, gehört der Wandertrieb. Er hängt mit dem Verständnis für Naturschönheiten zusammen, das zu entwickeln eine der vornehmsten Aufgaben unserer Turnvereine ist. In dieser Jahreszeit, in der Wald und Flur zu neuem Leben erwachen, ziehen auch wir mit neuer Lebensfreude hinaus in den Lenz.

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