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Jüdische Turnzeitung · 1911-05-01 · 5 (5.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
5 (5.1911)
Date
1911-05-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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96 S. 46, Abs. 2 unten und S. 47, Abs. 1 u. 2, und ich frage: warum müssen wir Laien das alles erfahren? cui bono? Zunächst behaupte ich allerdings, daß diese Krankheitsschilderungen einfach in dieser verallgemeinernden Form nicht richtig sind, nicht richtig sein können. Zu dieser Behauptung führen mich rein logische Erwägungen. Es ist schon bei der Behandlung ganz abstrakter Themata, deren Lösung auf spekulativem Wege gesucht wird, recht unvorsichtig, mit „absoluten" Ergebnissen aufzuwarten. Es ist meines Erachtens geradezu gefährlich, diesen Weg bei einer so eng mit der Praxis verwachsenen Disziplin einzuschlagen, wie es die medizinische Wissenschaft ist; gefährlich besonders dann, wenn Laien mit solchen Darbietungen beglückt werden. Diese sind nur zu leicht geneigt, „erlesene" Krankheiten an sich selbst festzustellen, besonders dann, wenn sie die Qrundkrankheit als deren Folge jene auftreten kann, durchgemacht haben. Ich frage wieder: „cui bono?" Die Gesunden, könnte Dr. E. einwenden, werden gewarnt; ich nehme diesen Einwand vorweg, da Dr. E. in der Einleitung sagt: man muß die Schäden erkennen, um die richtige Abhilfe zi> schaffen. Das wäre richtig, wenn die Warnung auch durch Abhilfemaßregeln unterstützt würde. Nun könnte Dr. E. wieder sagen, es kann nicht Sache dieser Zeitschrift sein, jungen Leuten Mittel zu empfehlen, mit denen sie sich gegen die Ansteckungsgefahr sichern können. Sehr richtig; dann ist aber auch jene „Warnung" zwecklos. Sollen solche Schilderungen wirklich abschrecken, dann müssen sie viel eingehender sein. * €qj&*%. (.-Wf «*«4t* Andererseits richten solche Schilderungen unter Umständen Schaden an. Jedem Arzte, sogar den meisten Laien, sind die seelischen Erschütterungen bekannt, die nach der Entdeckung einer Geschlechtskrankheit selbst sonst lebensfrohe Menschen treffen. Zwecklos ist es aber, diese aus ihrem vielleicht durch eine Heilung eben wiedererlangten seelischen Gleichgewicht durch die Schilderung von Folgezuständen zu reißen, wenn es nicht möglich ist, zugleich den Schaden auszugleichen und den Gesunden durch das Anraten von Vorbeugungsmitteln ein ähnliches Schicksal zu ersparen. Daß die Gesunden versuchen werden, durch enthaltsames Leben den Krankheitsgefahren zu entgehen, wird man nicht erwarten dürfen, nachdem ihnen, wie bereits erwähnt, die Folgen ihres enthaltsamen Lebens von Herrn Dr. E. vorher in düsteren Farben gemalt wurden. Hier geht der Verfasser leider recht unvorsichtig vor, denn er beschränkt — in der wohl im ganzen richtigen Annahme, daß männliche Turner nicht lange enthaltsam leben — seine Ausführungen auf die unverheirateten Mädchen. Diese hätten allen Grund, über das ihnen angeblich bevorstehende Schicksal, die und die Krankheiten zu bekommen, traurig zu sein, denn in der Regel ist es Ja nicht ihre Schuld, daß sie unverheiratet bleiben und dadurch zu einem Zölibat gezwungen sind. Selbst wenn wir unsere Turnschwestern auf die vielen älteren und alten Fräuleins hinweisen, die glücklich und zufrieden, gesund und beruflich wirkend leben, liegt doch die Gefahr nahe, da& manche sich über ein Etwas Gedanken machen werden, das ein anderer Arzt ihnen hoffentlich als ein Phantom hinstellen wird, dessen Abhilfe aber, selbst wenn die Furcht davor begründet wäre, nicht in ihrer Macht liegt. Was Herr Dr. E. wollte, verstehe ich sehr wohl: seine Ausführungen

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