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Jüdische Turnzeitung · 1911-05-01 · 5 (5.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
5 (5.1911)
Date
1911-05-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 5 95 sunden jüdischen Jugend in vielleicht noch lange nicht genug gewürdigtem Maße von der Befolgung einer gesunden Sexualhygiene abhängig ist. Nur die Art und Weise der Behandlung dieser Frage trennt mich von Dr. E. Ein solcher Aufsatz darf vor allem den Leser nicht am Schlüsse zu der Frage führen: „was soll ich also tun?", ohne diese Frage wenigstens einigermaßen zu beantworten. Welche Antwort erhält nun zunächst der gesunde jüdische Turner auf diese Frage? Er hört, daß er auf den Alkoholgenuß verzichten (S. 48/49) und die Fleischernährung zugunsten einer -mehr vegetarisch gehaltenen beschränken soll. Daß seine Vorfahren, trotz ungünstigerer äußerer Verhältnisse und obwohl sie weder turnten noch „Sport" trieben, gesünder und frischer gewesen sind als er, weil sie die gesündeste Sexualhygiene befolgten, die es für junge Menschen gibt, nämlich sich frühzeitig verheirateten. Dieses" sind die einzigen Mittel, die Dr. E. „am Schluß" (S. 50, unten) zu raten weiß, um — unsere Jugend vor den Qefahren des Alkohols, vor Geschlechtskrankheiten und deren Folgezuständen zu schützen. Dieses Ergebnis enttäuscht, denn nach der Ueberschrift erwartete man mehr Positives. Während man etwas darüber zu hören hoffte, wie man leben soll, um gesund in die Ehe zu treten, oder ehelos sich seine Gesundheit zu erhalten, läuft die Darstellung Dr. E.s auf eine. Schilderung der Folgezustände von Geschlechtskrankheiten einerseits, der wohltätigen Folgen einer Frühehe andererseits hinaus. Der Rat, eine Frühehe einzugehen, ist sicherlich gut, aber doch recht problematisch, da er bei den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen nur von einem verschwindend kleinen Teil der Menschheit befolgt werden könnte. Dr. E. mußte sein Thema also, wie er es ja getan hat, auch unter dem Gesichtspunkte behandeln, wie der nicht oder noch nicht Verheiratete sein Leben gestalten soll. Dabei mußte das Problem der Enthaltsamkeit gestreift werden. Was lernt nun der enthaltsam lebende Turner aus den Ausführungen Dr. E.s. Er erfährt, daß bei seiner Lebensweise „die Körperübung von jeglicher Form große Triumphe feiert" (S. 47 unten), daß aber — und damit wurden die vorhergehenden günstigen Schilderungen sehr abgeschwächt: — „in den ursächlichen Zusammenhang zwischen sexueller Abstinenz und Entstehung einer Konstitutionsabschwächung das Turnen und der Sport nicht einzugreifen vermag, die Körperübung......außerstande ist (man höre)), die Entstehung einer.....zu verhüten (S.48). Hier folgt die Aufzählung so vieler Krankheiten, daß man unwillkürlich fragt: „mehr nicht?". Was hört endlich der Turner, der geschlechtlich erkrankt ist? Er erfährt, daß bei Gonorrhoe im ersten Stadium Turnen und Sport gänzlich zu verbieten, bei Prostatitis ein bis zwei Jahre erheblich einzuschränken sind, daß auf den Verlauf der Syphilis aber Turnen und Sport „weder einen verschlimmernden noch einen heilenden Einfluß ausüben" (S.46 unten). Diese Darlegungen sind sicherlich nicht ohne Wert, denn der geschlechtlich erkrankte Turner hat natürlich ein Interesse daran, zu wissen, wie er sich während seiner Krankheit zu verhalten hat. Aber diese nützlichen Ratschläge werden sogleich durch eine Schilderung der Folgezustände einer erlittenen Geschlechtskrankheit in den Schatten gestellt. Ich verweise, um nicht durch Aufzählung der traurigen Blütenlese das zu unterstreichen, was ich nur zu gern gemißt hätte, auf

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