Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1911-05-01 · 5 (5.1911) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
5 (5.1911)
Date
1911-05-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4921092-5965121-5965324--2982-4925780
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 5 93 Organisation undenkbar ist ohne Disziplin, d. h. ohne die Zurückhaltung, die Selbstbeherrschung und die Zucht eines jeden. Das, denke ich, ist ein klares Programm. Vielleicht zu klar für manchen. Ich habe heute freilich nur auf der O-Seite die tiefe herbe Melodie des Lebens und der Wahrheit gespielt. Zum ersten Male diese Melodie. Sie mag traurig sein. Aber nachklingen soll sie. Und wer Qehör hat, der spiele sie mir nach. Wenn sie doch recht populär würde, diese Melodie! Wer Qehör hat, wird freilich noch etwas anderes herausgehört haben aus meinem Spiel, als den Ton der Bitterkeit über etwas, was uns fehlt: Den Ton der Liebe. Und wenn er mir die Melodie nicht nachspielen kann mit diesem Ton der Liebe, wenn er sie nur als einen danse maccabre oder gar nur als einen spöttischen Qassenhauer herunterhauen kann: Zum Teufel erst das Instrument Zum Teufel hinterdrein den Sänger! Wer aber ganz deutlich hingehorcht hat, der muß noch ein drittes vernommen haben: Den Ton der Hoffnung. Ich glaube, daß es besser werden wird. Hütte heute nicht gesprochen, wenn ich es nicht glaubte. Warum glaube ich es? Weil wir Juden wohl Fehler haben, Erziehungsfehler; der Qrund aber in uns, der Rohstoff, das Metall unseres Lebens, das ist herrlich. Wir haben Idealismus und Opfermut, wir haben Begeisterung und Hingabe, Leidenschaft und Qeduld. Kommt die Selbsterkenntnis hinzu, so haben wir zum Metall noch den Hammer und können uns unsere Zukunft schmieden. Und wie wird diese Zukunft aussehen? — Dieses Jahr Knechte, künftiges Jahr Männer, freie Männer! Zum „Rassenproblem" von Ignaz Zollschan.** Von Rudolfine Waltuch, stud. phil., Wien. Herr Dr. S a m. Weiss- Hamburg dürfte nur die erste Auftage des Buches zur Hand gehabt haben und hat deshalb, wie so viele andere, den Verfasser in puncto Zukunft des jüdischen Volkes mißverstanden. Zollschan hat aber seither eine zweite Auflage erscheinen lassen, deren Fassung Mißverständnisse so ziemlich ausschließt. Außerdem hat er in Vorträgen unzweideutige Erklärungen abgegeben. Im Vorwort zur zweiten Auflage konstatiert er, daß „seine Behandlung des Zionismus doch etwas unrichtig aufgefaßt worden sei" und wendet sich gegen die Anschauung, daß er „die Repatriierungsversuche für anorganisch halte". Auf Qrund der gegenwärtigen Entwicklungstendenzen habe er zu einem pessimistischen Schluß kommen müssen: „Aber auch in dem Buche selbst heißt es, daß die Versuche zur Repatriierung nicht nur der einzige, sondern auch ein durchaus gesunder Weg zur Regenerierung und Erhaltung der Rasse seien. Allerdings müßte die Kraft des Zionismus oder der analogen Bewegungen eine ungleich größere sein, als sie derzeit ist. Das 'st aber, wenn erst eine richtige Beurteilung der Judenfrage durchgegriffen ) Vergl. Märzheft 1911.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.