Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 4 (4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 81 angeheiterte Onkel Jonas schließlich seine Einwilligung zur Verlobung des eisten Turnerpaares gab. Die komische Brautwerbung des Qailinger Moritz Bollag um die Turnlehrerin erhielt natürlich ebenso wie die übrigen komischen Nebenrollen den gewohnten Lacherfolg. Aber damit hatte das unermüdliche Turnervölkchen noch immer nicht genug getan, denn fünf schwierige Barrenpyramiden mußten, wie immer, dem Fest- Programm einen farbenprächtigen Abschluß geben. Mitternacht war vorbei, als der lang ersehnte Tanz in seine Rechte trat. Man kann dem Festarrangement wohl keinen Vorwurf daraus machen, daß der größte Saal Zürichs nicht hinreichend Platz für die Tänzer bot. Während des Abends schon konnte der Vorstand eine Reihe von Neuanmeldungen entgegennehmen, und man hofft bestimmt, daß als Erfolg des Festes insbesondere auch ein frischer Zuzug von Aktiven zu verzeichnen sein wird. Sport. Die Verbreltungsmöglichkelten des Geländelaufs. Im eigentlichen Sinne ist der Geländelauf keine spezifisch leichtathletische Uebung. Wenn er heute in den Athletikvereinen mit besonderem Eifer gepflegt wird, so liegt der Grund darin, daß diese junge, aufstrebende Sportgemeinschaft neuen Anregungen besonders zugänglich ist und sie dank ihrer guten Organisation geschickt zu nutzen weiß. Denn: Sucht die Athletik in jedem Falle die gestellte Aufgabe so eng und eindeutig wie nur irgendmöglich zu umgrenzen, so bildet beim Geländelauf gerade die Vielgestaltigkeit und Unsicherheit des Pensums, die einen Vergleich nach Maß und Zeit ausschließt, den besonderen Reiz. Wer wollte etwa bei einem Geländelauf, der 15 km weit über Anhöhen und Gräben, Wald und Wiesen, Verhau und Buschwerk führt, wo die wegweisenden Schnitzel von fehlbaren Menschenhänden Kestreut sind, aus einem Vorsprung von 100 m und weniger den Besseren mit Sicherheit erkennen? Wer das sportliche Prinzip bis zum letzten durchgeführt wissen will und wem der Sport nur Kampf und wieder Kampf sein soll, der suche die idealen Bedingungen der wohlgepflegten Laufbahn auf und schaffe dort „einwandfreie Resultate", die ihm der 'Geländelauf nicht bieten kann. Die überraschend schnelle Verbreitung, die diese Sportart gerade in Athletikerkreisen gefunden hat, sollte denn auch den Vorwurf der „Rekord- Jägerei", die man noch immer oftmals als Sinn und Zweck der Leichtathletik hinzustellen beliebt,' entkräften. Aber auch, wer durch dieses Vorurteil noch "imer dem sportlichen Treiben ferngehalten wird, sollte sich mit dem Geländelauf, der volkstümlichsten aller Uebungen, vertraut machen. Die Jurner sollten ihn vor allem in ihr Programm aufnehmen und ihr sonst doch recht spärliches Freiluftpensum in dankenswerter Weise erweitern. Denn das ist ja das eigenartige an dieser Laufübung, daß der Wettkampf ihr durchaus nichts Wesenseigentümliches ist. Wer in einem kleinen Trupp von freunden waldein läuft, in ruhigem Tempo, gerade schnell genug, um das ölut in wohlige Wallung zu bringen, ohne festes Ziel, sich nur von den Reizen a?r Landschaft leiten läßt, kreuz und quer „spazieren" läuft, der braucht "'cht das Bewußtsein, sich in ernstem Training für einen Wettkampf zu schulen, dem ist dieser Lauf schöner Selbstzweck, ganz gleich, ob ihm überdies sportliches Streben beseelt oder nicht. Indem das Landschaftsbild schnell aJ» ihm vorUber fliegt, verbindet er die Reize einer intensiveren körperlichen uebung mit den vielfach zu gemütlichen Anregungen einer Spazierfahrt. Als Trainingsmittel weiß man den Geländelauf in den angelsächsischen