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Jüdische Turnzeitung · 1911-04-01 · 4 (4.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
4 (4.1911)
Date
1911-04-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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72 No. 4 den ihr der weitere Ausbau derselben bringen muß. Es sind vielmehr noch andere überaus wichtige Momente vorhanden, von denen wir die zwei hauptsächlichsten hervorheben wollen. Die Juden besitzen in der Diaspora Kern Zentrum, keinen geistigen und wirtschaftlichen Mittelpunkt, nach dem sich die Augen der gesamten, über alle Länder zerstreuten Nation richten könnten. Der Mittelpunkt fehlt, von dem immer wieder neues jüdisches Leben in alle Teile des Volkskörpers strömen könnte, von wo aus das Lebenselement, das warme, quellende Blut durch alle seine Adern fließen könnte. Wo kein Herz ist, kann kein lebender Organismus sein, wo kein Blut mehr fließt, ist keine Möglichkeit, einen scheinbar erstorbenen Körper wieder zu beleben. Das Judentum ohne Zentrale in der Diaspora, ohne Herz oder, wenn man will, auch ohne Qehirn, ist auf die Dauer nicht lebensfähig. Solange daher die Bestrebungen, einen solchen Mittelpunkt zu errichten, ein jüdisches Milieu, ein jüdisches Geistes- und Kulturzentrum zu schaffen, noch nicht von Erfolg gekrönt sind, muß die Organisation als Vereinigung eines Teiles der Judenheit, als Personifizierung des jüdischen Solidaritätsgefühles, als ein solches Zentrum, wenn auch stets nur für einen relativ kleinen Teil des jüdischen Volkes, fungieren. Von ihr müssen bis zur endgültigen Schaffung einer Heimstätte des jüdischen Geistes die Lebensfunktionen ausgehen. — Und noch ein zweites: Die Organisation bricht mit der Methode, die in der Judenheit bisher in bezug auf gegenseitige Hilfe geübt wurde. Sie zentralisiert die kleinen, zahlreichen Bächlein und Quellen und leitet sie zu einem gewaltigen Strome zusammen. In ihrer Hand nur liegt die Zukunft des jüdischen Volkes. Nur die Organisation der Juden ist qualifiziert, an das Riesenwerk der Lösung der Judenfrage in rein praktischem Sinne heranzugehen. Die Organisation der Organisationen wird es beenden können. Das moderne Turnen der jüdischen Frau. Referat, gehalten von BettiEger in der Frauen-Versammlung des J.T.V- Bar Kochba - Berlin, am 21. März 1911. Meine verehrte Vorrednerin hat ihnen in klarer und anschaulicher Weise vor Augen geführt, von wie großer Wichtigkeit das Frauenturnen vom medizinischen Standpunkt aus ist. Das war das Turnen für den Körper. Ich aber möchte Ihnen einiges sagen über das Turnen für den Geist. Es ist noch immer nicht zur Genüge bekannt, welch einen großen Einfluß das Turnen auch aut den Geist hat. In einem hohen Prozentsatz sind die Juden an geistigen Berufen beteiligt. Das Gehirn ist dadurch auf das höchste angespannt und der Körper wird vernachlässigt. Das Turnen stellt nun das Gleichgewicht zwischen Körper und Oeist her. Der Jüdische Volkskörper ist geschwächt, die Ursachen dafür liegen weit zurück. Ich will hier nicht beginnen, Ihnen die Leiden eines Ohettojuden zu schildern oder ihnen die Kette jahrelanger seelischer Erniedrigungen vor Augen zu führen. Sie alle werden davon gelese und gehört haben. Von dem Turnen der jüdischen Frau, durch die 0e**"' wart bedingt und in der Gegenwart wurzelnd, möchte ich Ihnen einiges sage ■ Denken Sie an die Frau, die im Berufe steht. Den langen Tag sitzt sie im

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