Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 4 (4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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70 No. 4 Nun sei mir noch gestattet, den Herren Turnratsmigliedern der Wiener jüdischen Turnvereine eine kurze Nachschrift zu widmen. Wien mit seinen 180000 jüdischen Seelen besitzt seit kurzer Zeit vier jüdische Turnvereine mit selbständiger Leitung. Glauben denn die Herren, daß damit viel erreicht sei? Olauben denn die Herren, daß durch gegenseitige Beteiligung unserer festlichen Veranstaltungen die Ziele unseres Programmes erschöpft sind. Fangen wir Wiener einmal an! Die Herren brauchen doch keine stundenlangen Reisen zu unternehmen, um zusammenzukommen. Sie müssen ja nicht sofort Turnvereine gründen oder eine Vereinssteuer erheben. Sehen Sie sich zunächst nach einem zentralgelegenen Sommer-Turn- und -Spielplatz um, so daß alle vier Vereine gleichzeitig ihre Uebungen abhalten können, um sich wenigstens gegenseitig turnerisch anzuregen und zu fördern. Oder trachten Sie die gemeinsame Abhaltung eines Vorturnerkursus möglich zu machen I Einigen Sie sich dahingehend, alljährlich im Sommer ein gemeinsames Schauturnen (wo 150 Turner antreten könnten) mit darauffolgenden Turn- und Wettspielen zu mäßigen Eintrittspreisen abzuhalten. Zeigen wir unseren lieben deutschen und internationalen Turnkollegen mosaischer Konfession, daß wir schon langsam den Standpunkt gegenseitigen Ignorierens aufgeben, zeigen wir ihnen, daß wir turnerisch zwar noch nicht soviel können wie sie, daß wir aber von Jahr zu Jahr Fortschritte machen, daß unsere Bewegung von Jahr zu Jahr Anhang gewinnt, zeigen wir, daß praktische Qegenwartsarbeit geleistet wird, indem wir unsere Stammesbrüder von Ost- und Westwien körperlich und geistig unter der Flagge der nationalen Idee regenerieren und ihnen das Bewußtsein eigener Kraft einflößen. Dies alles läßt sich ohne große Schwierigkeiten durchführen, ja, die Sache wird sogar höchst einfach, wenn der gute und feste Wille vorhanden ist. Und dieser gute, feste Wille soll und muß vorhanden sein. Der Wert der Organisation im Judentum. Von Hans üoslar -Berlin. Das vergangene Jahrhundert hat in organisatorischer Beziehung dem Judentum oder doch mindestens dem deutschen Judentum viel Gutes gebracht. Zahlreiche Organisationen, teils religiöser, sozialer oder politischer Natur sind entstanden, die sämtlich mit ihrer spezifischen Eigenart das gesamte Leben der deutschen Judenheit wohltuend beeinflußt, ja ihm zum Teil ihren Stempel deutlich aufgedrückt haben. Um sehen zu können, wie außerordentlich wichtig schon allein die Tatsache, daß überhaupt große und bewußt jüdische Organisationen entstehen konnten, an und für sich ist — deutet doch das Entstehen und Zustandekommen einer Organisation stets auf das Vorhandensein treibender, lebendiger, nach Betätigung oder Abwehr ringender Kräfte hin — müssen wir erst einmal in großen Zügen das Wesen der Organisation überhaupt, wie sie uns in mannigfacher Variation im Wirtschafts- und im politischen Leben begegnet, zu erfassen suchen. — Organisation ist, wenn man dieses Wort so definieren darf, der Zusammenschluß einer Anzahl Einzelpersonen oder Gruppen, die teils, weil sie einzeln i"