Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 4 (4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4921092-5965121-5965321--2951-4925750- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 4 67 der Turnrat dieses Vereines die Agenden der Kreisleitung zu übernehmen und in den ihr zugehörigen Gemeinden Vertrauensmänner zu bestellen. Aehnliches finden wir beim Jüdischen Nationalfonds. In vielen Städten, wo keine zionistischen Vereine bestehen, wird dennoch für den Nationalfonds gesammelt. Diese Sammlungen werden von Vertrauensmännern geleitet, die in diesem Falle Nationalfondskommissäre sind. — Hat sich einmal die Kreisleitung konstituiert, so ist in jenen Qemeinden, wo voraussichtlich jüdische Turnvereine bestehen können, die Gründung solcher Vereine anzuregen, bzw. sind die nötigen Vorarbeiten in die Wege,zu leiten. Man hätte Propagandaversammlungen abzuhalten; sich mit den maßgeben- •den Persönlichkeiten ins Einvernehmen zu setzen, die Lokalfrage zu studieren usw. Dann wären Vorturner beizustellen und endlich Geräte, soweit dies möglich ist, von den schon bestehenden Vereinen auf kurze Zeit leihweise zu überlassen, um so rasch als möglich den Turnbetrieb eröffnen zu können. Weiter hätte die Kreisleitung die Mitglieder der einzelnen Vereine gesellschaftlich näher zu bringen, und zwar könnte dies geschehen durch Abhaltung gemeinsamer Turnfahrten, durch gemeinsame Schauturnen in jenen Gemeinden, wo jüdische Turnvereine gegründet werden sollen. Ferner wäre durch Abhaltung von Wetturnen Gelegenheit geboten, durch Aufstellung von Rekordlisten auch im volkstümlichen Turnen die Leistungsfähigkeit der einzelnen Vereine zu erhöhen. Die Abhaltung eines gemeinsamen Kurses zur Heranbildung einer tüchtigen Vorturnerschaft, die wieder vor einer Kommission den Befähigungsnachweis als Vorturner zu erbringen hätte, wäre ein Hauptvorteil der Kreiseinteilung. An dieser Stelle sei gleich der Vorturnerstunden gedacht. Diese Veranstaltungen sollen nicht bloß das SolidaritätsgefUhl der judischen Turnvereine zum Ausdruck bringen, sie sollen selbstverständlich auch auf turnerischem Gebiete für uns von großem Nutzen sein. Die Vorturnerschaft, die in unserer Bewegung eine wichtige Stellung einnimmt, sollte öfters zusammentreten, um über turnerische Angelegenheiten eine gründliche Aussprache zu Pflegen. Aber welche Vereine senden ihre Vorturner nach Köln oder nach Posen? Nur jene, die die Barmittel dazu besitzen; dann sind manchmal auch ärmere Vereine durch Turner vertreten, die vom Turnen zwar nicht die geringste Ahnung, dafür aber das nötige Kleingeld haben, um eine solche Reise auf eigene Kosten unternehmen zu können. Viel einfacher und nützlicher •st daher die Abhaltung von Kreisvorturnerstunden. Gewiß sollen Vorturnerstunden, wie jene gelegentlich zu Köln abgehalten wurde, nicht verloren gehen; zu diesen Vorturnerstunden sollten bloß die Kreisturnwarte entsendet werden (Turnwartstage). Und weil wir schon beim Reisen und Wandern süid, wollen wir uns auch ein wenig der Wanderturnlehrer erinnern. Auch über dieses Kapitel wurde schon eine Menge geschrieben. Es treten aber so viele Hindernisse und Schwierigkeiten auf, daß man von der Einrichtung, Wanderturnlehrer für die jüdischen Turnvereine zu bestellen, Abstand nehmen wird. Die sprach- »chen Schwierigkeiten, die dem deutschen Wanderturnlehrer in den galizischen Turnvereinen begegnen, schließen von Anfang an jede erfolgreiche tätigkeit aus.