Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 3 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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62 No. 3 „Spricht man vom Wolf, ist er nicht weit." In diesem Frühjahr, ehe die Saison begann, äußerte ich zu einem Sportfreund, ich wüßte eine Technik, mit der Pasemann leicht über 2 m springen könnte; mir wurde aber entgegnet, eine Springweise, bei der man sein Genick aufs Spiel setzte, würde wohl kaum Liebhaber finden. Da kam bald darauf der Tatsachenbeweis: Die Zeitunsen berichteten von dem Hochspringer Fleiter, der mit seiner Methode leicht 1,84 m gesprungen sei, Fleiters Technik erwies sich nach den Berichten und einer Photographie als ein steiler Hechtsprung mit Ueberschlagen am Boden. Beim Sportfest des Berliner Sportklubs bekam ich den Springer und seine Kunst selber zu Gesicht. Er springt nach kurzem Anlauf dicht unter der Latte mit beiden Beinen ab: wenn er mit dem Unterleib in Höhe der Latte ist, beugt er den Oberkörper nach vorn, schnellt dann die Beine empor und macht einen richtigen Hechtsprung wie ein Schwimmspringer. Sowie er mit den Händen den Boden berührt, rollt er den Körper zusammen und wälzt sich über Nacken und Schultern auf den Rücken. Er landet also mit allerlei empfindlichen und edlen Körperteilen auf seinem Niedersprungsort, dem er sich damit auf Gnade oder Ungnade überliefert. Ich habe eine Aufnahme von einer englischen Hochsprungmeisterschaft, bei der der Niedersprung auf unaufgegrabenen Boden geschah; ich glaube kaum, daß viele unter solchen Bedingungen Lust haben werden, den Fleiterschen Sprung zu wagen. In den Wettkampfbestimmungen für die Olympischen Spiele in Athen 1906 stand, daß bei Hochsprung gefährliche Sprünge verboten seien und in denen für London 1908 waren solche Sprünge ausdrücklich als „diving and somersaulting" (Hechtsprünge und Saltos) gekennzeichnet. In Athen sah ich selbst, wie zwei Springer wegen solcher Sprungweisen ausgeschlossen wurden. Es ist klar, daß die Bestimmungen, welche Springmethoden, wie die unseres Fleiter eine ist, verwerfen, durchaus berechtigt sind, denn jede Sportverwaltung hat das denkbar lebhafteste Interesse daran, die Zahl der Unfallsmöglichkeiten in ihrem Betriebe möglichst herabzusetzen, und vom Fleiterschen Sprung kann man kaum anders sagen, als daß er Unfälle gerade an den Haaren herbeizieht. So leid es mir um Fleiters hübschen und für den deutschen Amateursport auch originellen Einfall tut: ich kann der Sportbehörde nur recht geben, daß sie nach dem Vorgang der angeführten Bestimmungen Hechtsprünge und Saltos als gefährlich ausgeschaltet hat. Mögen diese den Schwimmern und den Akrobaten überlassen bleiben, deren gewandte und mutige Sprünge ich immer bewundere, ohne ihre Nachahmung auf Athletiksportplätzen wünschenswert zu finden. Stabhochspringen. Nur noch wenige Wochen und wir können uns wieder unter freiem Himmel auf dem frischen grünen Rasen tummeln. So manche Uebungen und Spiele können dort wieder aufgenommen werde"' die während der langen Winterzeit entbehrt werden mußten, unter anderem das Stabhochspringen. Unsere Abbildung zeigt uns einen hervorragenden Sprung des deutschen Turners Pasemann-Kiel, der im Jahre 1910 den den*" sehen Rekord auf 3,54 m verbesserte und damit die deutsche Meisterschaft gewann. Den Weltrekord mit 3,89 m hat W. Dray in Amerika 1908 errungen. — Wenn man bedenkt, daß Pasemann in dieser Sprungart eine Ausnahmestellung einnimmt und auf Sportfesten ohne seine Beteiligung nur Sprunghöhen bis etwa 3 m erzielt werden, so ersieht man daran um so deutlicher» wie diese hervorragend schöne Uebung gegenüber den Amerikanern noch i den Kinderschuhen steckt. Die deutschen Turner bieten alles auf, um dem