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Jüdische Turnzeitung · 1911-03-01 · 3 (3.1911) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
3 (3.1911)
Date
1911-03-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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No. 3 53 heranbilden, deren suggestivem Einfluß sich kein tätiges Mitglied entziehen kann. Dann werden wir uns letzten m Endes doch wieder dem turnerischen Ideal nähern: Auch den Minderbegabten teilhaben zu lassen und ihn in gleichem Maße, wie die „Auslese" der Besten heranzubilden. Einige interessante Fragen mögen durch die Begründung national- Jüdischer Sportabteilungen ihrer Beantwortung nähergebracht werden. Zunächst solche nach der Eignung von Juden für die verschiedenen Sportarten. Joe E dwards hat kürzlich an dieser Stelle seine Erfahrungen hinsichtlich des Boxsports zum besten gegeben. Da handelte es sich um angelsächsiche Länder und seine Feststellungen boten verhältnismäßig geringe Schwierigkeiten. Bei uns in Deutschland oder in Ungarn erschwert sich ein derartiger Ueberblick schon bedeutend. Denn von all den zahllosen Fragebogen, die die Zeit der deutschen Vereinsschriftführer in Anspruch nehmen, ist keiner so indiskret, nach der „Konfession" der Sportsleute zu fragen. Taufe und Mischehe tun das ihre, um irgend einen Ueberblick über besondere Physische und psychische Veranlagung bei den Juden unmöglich zu machen. Immerhin trifft man wahrscheinlich das richtige, wenn man uns Juden eine besondere Begabung für solche Leistungen zuschreibt, die eine plötzliche kurze Anspannung des Willens verlangen (Sprünge und kurze Strecken), während wir in Bezug auf Dauerleistungen zurückstehen. Jedoch las ich kürzliche recht gute Zeiten von einem Marathonlauf der „Jewish Athletik Association" in London. Ein Fortschreiten der jüdischen Sportbewegung dürfte da interessante Aufschlüsse bringen. Dann weiter: Wenn wir überhaupt an den Sieg unseres nationalen Gedankens glauben, dann dürfen wir auch hoffen, noch ein Jüdischnationales Olympiazu erleben. Da würde die Welt vielleicht gewahr werden, wie viele vorzügliche sportliche Kräfte unter uns Juden Jetzt noch den Ruhm fremder Völker mehren helfen, während ihr eigenes Volk auch in dieser Hinsicht verkannt wird, Man lese nur beispielsweise die Namensliste der letzten siegreichen amerikanischen Olympiamannschaft. Und wenn wir in den Jahren 1903 und 1909 vor den Vertretern unseres Volkes zeigten, wie nationale Juden turnen, so wird vielleicht schon im Jahre 1913 der XI. Kongreß durch ein nationales athletisches Meeting einen Vorgeschmack unseres all- Jüdischen Olympia erhalten. * Doch das alles ist Zukunftsmusik. Vorläufig heißt es für die kleine Schar im Bar Kochba mit Ernst an die Sache gehen und in ihren Reihen den nationalen Qeist mit umso größerer Intensität pflegen, je mehr sie den sportlichen Idealen Aufnahme gewährt. Nur dann kann dieser bedeutsame Schritt uns zum Heile gereichen.

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