Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 3 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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52 No. 3 unterschieden und jenes den demokratischen, dieses den aristokratischen Betrieb der Leibesübungen genannt. Wie man nun im turnerischen Betrieb neuerdings immer mehr von dem steifen Drill abgekommen ist, der vor einem Jahrzehnt auf den Turnböden herrschte, so wird man auch das sportliche Prinzip nicht überspannen dürfen. Ganz besonders nicht in einem nationalen Sportverein. Denn der'sportliche Gedanke in seiner letzten Konsequenz läuft dem nationalen zuwider. Der Nur-Sportsmann wird sich stets dort betätigen, wo er die besten Bedingungen und vor allem die beste Konkurrenz findet. Sein sportlicher Sinn würde fortwährend mit seinem national!üdischen Gewissen in Konflikt geraten und gewiß in manchen Fällen obsiegen. Aber — wie gesagt — diese Ueberspannung des sportlichen Prinzips wird sich von einer geschickten Abteilungsleitung vermeiden lassen, wenn — man nicht mit einem Mal zu hoch hinaus will. * Die Sportabteilung wird gewiß von vielen empfunden werden als ein Fortschreiten von der gebundenen, vielfach lästigen Disziplin des Turnsaales zur freien Tummelei des Rasenplatzes, und man wird sich den Weg zum sportlichen Erfolge sehr einfach vorstellen. Beispielsweise in der Leichtathletik, die ja für den Anfang besonders empfehlenswert wäre: Da wird es ja gewiß schon jetzt jedesmal Leute geben, die 100, 200, 400, 800 oder 1500 m schneller laufen als alle anderen und man wäre etwa in der Lage, die Titel der Klubmeister zu vei teilen. Sonntag für Sonntag könnte man immer wieder Wettläufe veranstalten und so, wenn man von der großen Welt und ihren Laufzeiten nichts wüßte, getrost und selbstzufrieden einen ganz idyllischen Betrieb aufrecht erhalten. Nur sollte man das Kind dann nicht „Sportabteilung" nennen. Sport ist das nimmer rastende Streben nach der Vervollkommnung mit den Mitteln eigener geistiger und körperlicher Veranlagung und mit denen, die einem von anderen geboten werden. Ist also eine verflucht ernste Sache. Im Untertitel des besten Buches über den „Olympischen Sport", das wir in deutscher Sprache haben, verweist Martin Brust mann auf das viSache „T", das allein Erfolg beim Laufsport verbürgt: „Theorie, Technik, Training, Taktik". Ohne sie keine wirkliche sportliche Leistung. Und wer etwa dank einer ganz unwahrscheinlichen Anlage ohne diese Voraussetzungen eine Leistung zustande brächte, die dem deutschen Rekorde nahekäme, der wäre weit weniger Sportsmann als ein Minderbegabter, der in gewissenhaftem und verständigem Training seine 1000. m- Zeit im Verlaufe von 6 Monaten von 13 Sek. auf 12Vss Sek. heruntergeschraubt hat. Also: Keine Träume von olympischem Lorbeer und Teilnahme an großen allgemeinen Konkurrenzen, ehe unsere Mannschaft nicht in ernstem Training unter Ausschaltung alles wettkampfmäßigen durchgebildet ist. Denn das ist sicher: Viel förderlicher als irgend ein Zufallserfolg wäre es dem Ansehen unserer Abteilung nach außen und innen, wenn es zur Regel würde, daß unsere Läufer überall wo sie erscheinen, durch ihren einwandfreien leichten Lauftritt auffallen. Da wirkt dann das Beispiel. Und wenn wir im Vorhinein darauf bedacht sind, daß bei uns auf keinem Oebiet Pfuscharbeit geleistet wird, dann wird sich in der Abteilung eine gewisse sportliche Kultur