Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 3 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 51 zu, weil wir nicht mehr die sozialhygienischen Gesetze zu würdigen wissen, denen wir unsere Vermehrung, Lebensdauer und Lebenskraft bisher zu verdanken hatten. Tief begründet in der menschlichen Natur ist das Fundament aller sexuellen Hygiene, die altjüdische Frühehe; die Menschheit kann auf die Dauer ohne Turnen und Sport, aber nicht ohne Frühehe bestehen. Sportabteilungen. Von Fritz Abraham - Berlin. Der Bar Kochba in Berlin geht daran, eine Sportabteilung zu begründen. Das ist ein recht bedeutsames Ereignis. Zunächst für unsere Turnerschaft: Für sie ist es ein erster Versuch, der, wenn er gelingt, zweifellos Nacheiferung wecken wird. Dann aber ist es auch das erste Mal, daß man versucht, in Deutschland den Sport nationalen Zwecken dienstbar zu machen. Immerhin gibt es im Ausland Vorbilder: Die tschechischen Sportklubs, die neben den Sokoivereinen ihren Platz an der Sonne behaupten, und die nationalistische „Qaelic Athletik Association", die trotz ihrer vorzüglichen sportlichen Leistungen ein abgeschiedenes Dasein führt, weil ihre Mitglieder zu stolz sind, an den Start zu gehen, sobald ihre irische Nationalität nicht ausdrücklich anerkannt wird. So bleiben sie auch den großen olympischen Spielen regelmäßig fern, um nicht unfreiwillig den athletischen Ruhm des verhaßten Aibion zu mehren. Das gehörte hierher, um theoretische Bedenken, die gegen die Etablierung eines nationalen Sportbetriebes mit einigem Recht geltend gemacht werden könnten, durch Beispiele aus der Praxis zu entkräften. Die Turnerei hatJiun sechzehn Jahre lang wie bei vielen Völkern zuvor auch bei uns Juden als Mittel nationaler Einigung und nationaler Erziehung ihren Dienst versehen und wird auch bei uns nicht so schnell zum alten Eisen geworfen werden. Wenn man sich im Bar Kochba trotzdem entschlossen hat, dem Sport in unseren Reihen Eingang zu verschaffen, so ist das gewiß nicht der Neuerungssucht zuzuschreiben, die uns Juden nach dem Urteil unserer Qegner anhaften soll, sondern es war eine notwendige Konzession an den Zeitgeist und insbesondere an den Geist der Großstadt. Die Entwicklung vom Turnen zum Sport hat die großen Berliner Vereine der Deutschen Turnerschaft teilweise wider den Willen der leitenden Köpfe in ihre Bahn gedrängt, und es ist gewiß nicht beschämend, wenn wir zugeben, daß wir demselben Drängen nachgegeben haben. Das mußte gesagt werden, um unsere Brudervereine vor voreiliger Gründung gleicher Abteilungen zu warnen. Auch bei uns Bar-Kochbäern wird das Turnen noch auf lange Zeit hinaus seine Freunde finden, aber es wird immer welche geben, die es treibt, eine ganz spezielle Fähigkeit zu kultivieren und sich sportlich zu betätigen. Daß diese der jüdischen Turnerei nicht mehr wie bisher in vielen Fällen verloren gehen, dazu soll nun die Sportabteilung verhelfen. Wir wissen, daß der turnerische Gedanke und der sportliche zwei diametral entgegengesetzte Prinzipien kennen. Man hat da ein wenig grob