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Jüdische Turnzeitung · 1911-03-01 · 3 (3.1911) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
3 (3.1911)
Date
1911-03-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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50 No. 3 kommen zu vererben, die Kraft des Volkes fortdauernd zu bewahren? Sie lebten auf dem Lande, mußten aus Mangel an Eisen- und Straßenbahnen täglich „Wandersport" betreiben, um für ihre Familien zu sorgen, sie genossen die Woche über kein Fleisch, weil die Nahrungsmittel noch nicht Waren des Weltmarktes waren, sondern an Ort und Stelle konsumiert wurden (A. Grotjahn: „Wandlungen in der Volksernährung", Leipzig 1902), sie blieben den Trinksitten der Ritter und Mönche fern, und vor allem, sie befolgten ein System der Sexualhygiene, welche Jugendkraft und Potenz bis ins höchste Alter aufrechterhielt. Näheres hierüber enthält der Auszug meines Vaters über die Sexualhygiene im Eben Haeser (Sexualprobleme 1910, 5. und 6. Heft). Es ist vor kurzem die Frage aufgeworfen worden: Was haben denn die Juden für die allgemein menschlische Kultur geleistet? Darauf ist zu antworten: Sie haben im Ghetto scharenweise ihr Leben — sowohl Männer als Frauen und Mädchen — hingegeben, um die Monogamie als Oesetz der menschlichen Gesellschaft durchzuführen. Für und durch dieses Gesetz starben und lebten sie. Ihre Rabbiner duldeten kein voreheliches und außereheliches Geschlechtsleben, und die verheiratete Frau, die Eisches isch, war ihnen unantastbar. Dafür, daß die Monogamie sich jetzt im Entartungszustande, in den letzten Zügen befindet, sind nur diejenigen Staatsmänner und Gesetzgeber verantwortlich zu machen, welche das rabbinische Ehegesetz nicht als Fundament des Staates errichteten. Das rabbinische Ehegesetz wurde bei den Juden erst durch die Eisenbahn, durch die Ausbildung des Verkehrsnetzes und die Einführung der standesamtlichen Zivilehe zerstört. Ich bin am Schluß. Was kann die jüdische Jugend gegen die Ausbreitung von Alkoholismus und Geschlechtskrankheiten und der Folgezustände unter den Juden tun? Nur die Jugend selbst hat das ureigenste Interesse an der Sexualhygiene, während die alte Generation lächelnd darüber hinweggeht oder die Enthaltsamkeit empfiehlt. Die Wiedereinführung der Frühehe, des Zustandes, wo Jüngling und Mädchen, beide geschlechtlich unberührt sich ehelich verbinden, daß ist die Aufgabe unserer Jugend, eine Aufgabe, die nur durch Selbsthilfe, durch große Mutterschaftsfonds sich durchführen läßt. Von dieser Erneuerung der Gleichberechtigung zwischen dem tapferen, unschuldigen Jüngling und dem mutigen, unschuldigen Mädchen darf sich die jüdische Jugend nicht abschrecken, sie darf sich weder durch den Liberalismus, noch durch den Zionismus irreführen lassen. Der Zionismus ist eine Klassentheorie, eine Antwort auf eine soziale Frage. Die Klasse der emanzipierten Juden hatte durch die Emanzipation wirtschaftlich gewonnen, hatte sich hinaufgeschwungen, aber ein jahrhundertlang bewahrtes Glück, das Familienglück, verloren. Und da trat H e r z 1 auf und sagte, ich will euch ein Heim schaffen, wo es kein Golus und keine Assimilation gibt. Aber von der Wiederherstellung des uralten Ehegesetzes sprach er nichts, denn dessen Verwirklichung muß wiederum neue Kämpfe, neue Verfolgungen bringen. Die Zionisten träumen vom ewigen Frieden in Palästina, die liberalen deutschen Juden sehen denselben schon in Deutschland gekommen, und dabei nimmt der physische und psychische Entartungsprozeß unseres Volkes

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