Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 3 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 49 Alkoholismus an den Tag gebracht hat, ist es selbstverständliche Pflicht Jedes gebildeten jungen Mannes, schon im Hinblick auf seine zukünftigen Kinder sich jeden Qenusses alkoholischer Qetränke zu enthalten. Mit „Mäßigkeit" gibt man kein Beispiel, und wo bleibt bei der „Mäßigkeit" die Grenze?! Besonders richte ich diese Mahnung an die jüdische Turnerschaft. Unsere Vorfahren kannten keine Trinksitten, die jetzt bei den Juden der verschiedensten Länder so um sich greifen. Die guten Wirkungen des Turnens und Sports werden durch anschließenden Bier- oder Weingenuß wieder aufgehoben. Es ist also Pflicht unserer Vereinsvorstände, in den offiziellen Sitzungen der Vereine ein für allemal alkoholische Qetränke zu verbieten. Unsere lieben Turnbrüder müssen sich gewöhnen, an Limonade und Selters ebensolche Freude zu empfinden, wie unsere Turnschwestern. Nicht minder verderblich als der Alkohol wirkt die Vorliebe für Fleischernährung. Braten schmeckt zwar den Qroßstädtern besser als vegetarische Gerichte, aber letztere richten keinen Schaden an Nieren, Herz und Qefäßapparat an. Der Turner sollte den Fleischgenuß beschränken und vegetarische Ernährungsart bevorzugen, er wird dadurch den körperlichen und seelischen Nutzen des Turnens vervollständigen. Verderblich für die Kulturmenschheit ist auch der reichliche Qenuß von Weißbrot. Für die Zähne und die Verdauung ist Schrot- oder Schwarzbrot weit zuträglicher. Mit diesem unerfreulichen Bilde von den Schädigungen, welche die »Kultur" der Gegenwart für das Geschlechtsleben und überhaupt für die menschliche Gesundheit mit sich bringt, kann ich nicht schließen. Es kann anders werden, weil es früher anders war. Vielfach wird neuerdings die Anschauung verbreitet, daß unsere Vorfahren, die Ghettojuden, schwächlich waren, weil sie Turnen und Sport nicht kannten, und wir müßten heute eine „Regeneration" durch Erziehung von Muskeljuden anstreben. Ich habe früher auch an diese zionistische Binsenwahrheit geglaubt. Bei tieferem Eindringen in das Wesen des Ghettos und der vergleichenden jüdischen Statistik bin ich aber zu einer wesentlich anderen Auffassung gelangt. Für den „Zionismus" ist die „Regeneration" unentbehrlich. Er malt uns ja in eindringlichen Farben einen jüdischen Zukunftsstaat, ein Altneuland, in welchem es weder ein Ghetto noch eine Assimilation gibt. In Wirklichkeit brauchen wir uns nur unsere alten Herren anzusehen °der unsere Großväter uns vorzustellen, wie sie, vom hohen Alter kaum gebeugt, durchs Leben wanderten, oder wir brauchen uns nur die ältere Oeneration russischer, rumänischer, galizischer Juden mit ihrer 1,80 m betragenden Länge, ihrem oft herkulischen Körperbau näher zu betrachten. So manches Dokument hat die Oeschichte von der Körperkraft der deutschen Juden noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verzeichnet. Ich erinnere nur an die Denkschrift des Preußischen Ministers des Innern aus den Verhandlungen des Vereinigten Landtags von 1847. („Die Juden als Soldaten." Berlin 1897, Seite 7—12.) Ferner an das Material, welches in der Broschüre »Die Juden im Heere" niedergelegt ist. Was hatten nun die Ghettojuden für Mittel, um körperliche und geistige Kraft bei dem Individuum bis ins hohe Alter frisch zu erhalten und den Nach-