Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 3 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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48 No. 3 1. a) Die Ordnung und Disziplin haben eine angenehme, ablenkende Wirkung: auf das Gemüt, und es wird die Kunst geübt, durch den einfachen Willen deprimierende Stimmungen zu vergessen, Herr seines Körpers zu werden, b) Eine sozialethische Wirkung wird erzielt; das Individuum lernt, sich dem großen Ganzen unterzuordnen. Das ist wieder eine Psychotherapie! 2. Die Blutzirkulation wird gefördert, das Blut in die peripheren Kapillargefäße geschickt. 3. Die Magendarmtätigkeit wird gefördert, und manche Fälle chronischer Verstopfung gebessert. Allein in den ursächlichen Zusammenhang zwischen sexueller Abstinenz und Entstehung einer Konstitutionsabschwächung vermag das Turnen oder der Sport nicht einzugreifen; die Körper«bung vermag wohl bei einer ausgeprägten, gutartigen Neubildung die Lebensdauer zu fördern, allein sie ist außerstande, die Entstehung einer Tuberkulose, Krebskrankheit, Zuckerkrankheit, chronischer Nierenentzündung oder sonstiger bösartiger und gutartiger Neubildungen zu verhüten. Der oder die geschlechtlich Enthaltsame ist hinsichtlich der Lebensdauer besser daran wie der Syphilitiker, aber er muß dauernd vorsichtig in seiner Ernährung bleiben, um vor Krankheiten und Kränklichkeit bewahrt zu bleiben. Damit betreten wir das Qebiet der Ernährungshygiene, welche von der sexuellen Hygiene nicht zu trennen ist. Das vermehrte Wohnen in Städten und Großstädten verursacht die weitverbreitete Vorliebe für Oenußmittel und Ernährungsreize. Zu ersteren gehören die alkoholischen Oetränke, zu letzteren die Gewürze und Extraktivstoffe des Fleisches. Der gewohnheitsmäßige Bier- und Weingenuß pflegt noch die eben geschilderten dreierlei Formen der modernen Sexualpathologie zu komplizieren. Es '** merkwürdig: ein Mann, der zu 18 Jahren eine Frühehe geschlossen hat, kann bis ins hohe Alter alkoholische Getränke in gewohnheitsmäßigem Qenusse vertragen, welche dem Tripperkranken, Syphilitiker oder geschlechtlich Enthaltsamen schwere Störungen oder vorzeitigen Tod bringen würden. Diese Störungen machen sich besonders am Magendarmkanal und dessen Anhängen, sowie am Herzen und den Blutgefäßen geltend, Störungen, gegen welche Turnen und Sport ziemlich machtlos sind. Man sehe sich nur die Herren, welche vom 20. bis 30. Lebensjahr so flott am Biertische waren, im 40. bis 50. Lebensjahre an; ja schon im 30. bis 40. Lebensjahre kündigt ein vorzeitiger Kahlkopf den reichlichen Zuspruch zu diesem „Oenußmittel" an. Da die Herren der Schöpfung den Frauen im Alkoholgenusse weit Uberlegen sind, so dürfen wir uns nicht wundern, daß in denjenigen Todesursachen, in welchen der Alkoholismus den Ausschlag gibt, weit mehr männliche als weibliche Todesfälle zuzählen sind. Bemerkenswert, ist auch folgende Tatsache: Die lebensverUttMfiBft Frauen haben gegenwärtig i" den Altersklassen von 20—50 Jahren eine weit geringere Sterblichkeit als die lebensverwöhntesten Männer, während sie keineswegs eine geringere Kränklichkeit (sexuelle Abstinenz I) haben. Nach dem ungeheuren Material, welches die wissenschaftliche Forschung über die Verbreitung und Schädlichkeit des