Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 3 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 43 Auf diese Weise ist ein Werk entstanden, welches dieses schwierige und dunkle Gebiet teils mit wissenschaftlichem Scharfsinn an der Hand unwiderlegbarer Tatsachen, teils mittels «eistvoller philosophischer Spekulation zu ergründen sucht. Wollte man dem Autor auf allen diesen, z. T. sehr in die Breite gehenden Wegen folgen, so wäre ein Ende nicht abzusehen. Ich will mich deshalb begnügen, nur kurz die Richtlinien zu zeigen, auf welchen .7ollschau zu seinen Schlußfolgerungen gelangt. Soll der Wert einer Rasse bestimmt werden, so bedarf man eines Vergleichsobjektes, welches gleichsam als „Wertmesser" dienen kann. Als solches präsentieren sich da den Juden gegenüber naturgemäß die Oermanen, die ja heute unbestritten die führende Rasse darstellen und innerhalb der „arischen" Rasse ebenso als Prototyp galten wie die Juden innerhalb der semitischen. Ich sagte mit Absicht „galten", denn eine arische Rasse existiert in wissenschaftlichem Sinne nicht mehr. „Arier" sind, nach den Worten des bekannten Oxforter Philosophen Max Müller, Leute, die eine arische Sprache sprechen, doch Sprache und Rasse sind zwei verschiedene Welten. Jedoch auf den Trümmern dieser zu Grabe getragenen Theorie errichteten H. St. Chamberlain und die Vertreter der sogenannten politisch-anthropologischen Schule eine neue, „die arisch-germanische Rassentheorie". Fern von Asien, der Wiege aller alten Kulturen, sollte im Norden Europas eine großgewachsene, blonde, hellhäutige Nordlandsrasse existiert haben, die als der aktive Träger der Politik, als erstes und ältestes Kulturvolk hingestellt wurde. — Die bedeutendsten Genies der Menschheit seien Vertreter dieser Rasse gewesen oder Mischlinge, in deren Adern vorwiegend germanisches Blut strömte. Aus den Vertretern dieser Anschauungen sind unsere schärfsten Gegner hervorgegangen, und der sog, wissenschaftliche Antisemitismus operiert mit den Schlagworten, die von ihnen — Chamberlain in erster Linie — in die Welt gesetzt wurden. Ihre Abwehr nimmt daher mit Recht in Zollschaus Buch einen großen Raum ein: Wenn helle Pigmentierung — d. h. Haar-, Haut-, Augenfarbe —, hohe Statur und Langschädligkeit mit absoluter Sicherheit die Zugehörigkeit zur germanischen Rasse verbürgen sollen, so zeigt er, wie das erste Kennzeichen sich, wenn auch in sehr wechselnder Stärke, bei allen Rassen nachweisen läßt. Die Körpergröße ist zunächst in hohem Grade abhängig vom Milieu, indem sie unter günstigen äußeren Lebensbedingungen zunimmt. Sodann aber stehen die Deutschen hier durchaus nicht etwa an erster Stelle, sondern weit hinter Kaffern, Eskimos und den ja rein semitischen Arabern. Und was endlich die Langschädligkeit anlangt, so gilt heute als feststehend, daß es auf der ganzen Erde keine noch so kleine Rasse gibt, die betreffs des Schädelindex einen einheitlichen Typus aufweist. Ist so der anthropologische Beweis für die germanische Rassentheorie als mißlungen zu betrachten, so steht es nicht anders mit der behaupteten Rassensuperiorität der Germanen, die sich auf ihre geistigen Eigenschaften stützt. Auch hier bringt Zollschau ein unanfechtbares Tatsachenmaterial aus der Geschichte herbei, um die Behauptung von dem „Edelrassentum" der Germanen zu widerlegen. Nicht fällt es ihm ein, die heutige Größe und Bedeutung der Völker sermanischer Abstammung zu leugnen und die gewaltigen Kulturwerte, die