Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 3 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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42 No. 3 3. Es überwiegt unter den Juden der dunkle Typus, doch kommen blonde, blauäugige demente bis zu 30 Prozent unter ihnen vor. Mit diesen Tatsachen läßt sich eine Einreihung der Juden in die semitische Rasse — wie sie noch heute in der Allgemeinheit gang und gäbe ist — schlechterdings nicht vereinen. Nun steht aber zweifellos fest, daß sie einst den Semiten viel näher gestanden haben. Welche Umstände haben denn diese starke Abweichung vom ursprünglichen semitischen Typus — Langschädligkeit, fast ausnahmslos dunkle Färbung und größere Statur — zuwege gebracht? Der Grundfehler aller früheren Rassentheorien war, daß die Juden von heute als das Produkt einer Kreuzung in historischer Zeit mit den Völkern angesehen wurden, in deren Mitte sie seit der Zerstreuung lebten. Judt ist es gelungen, nachzuweisen, daß wohl eine Kreuzung stattgefunden hat, sogar in ausgedehntem Maße, aber schon in den Ursprungszeiten des Stammes, in den jahrhundertelangen Wanderungen, die erst mit der Eroberung Palästinas ihr Ende nahmen. Damals schon empfingen sie von den Amorikern die Beimischung an hellfarbenen Elementen, von den Hethitern, dem wahrscheinlich bedeutendsten Kulturvolk unter den Ureinwohnern Kanaans, den starken Einschlag von breitschädligen Elementen, verstärkt im Laufe der Jahrhunderte durch die in ausgedehntem Maße stattfindenden Mischehen, denen ja erst Esra nach den biblischen Quellen energisch zu Leibe ging. Die Schlußfolgerungen Judts lauten demnach: „Die Juden als physische Rasse sind ein Produkt der in fernen Zeiten stattgehabten Amalgamierung. Der Jude der Gegenwart bildet dagegen einen in hohem Grade einheitlichen Typus, ohne Rücksicht auf das geographische Milieu und die Rassenmerkmale der Eingeborenen." Will man eine Klassifizierung vornehmen, so darf man sie nicht als „Semiten" bezeichnen — an diese bindet sie nur eine verwandte Sprache —-■ sondern muß sie in eine Gruppe stellen mit Griechen, Römern, den Völkern Vorderasiens und Nordafrikas, während auf der anderen Seite Kelten, Germanen und Slaven stehen. Judt betrachtet mit dieser Feststellung seine Aufgabe als gelöst, Zollschau in seinem vor einer Reihe von Monaten erschienenen Werk „Das Rassenproblem" setzt hier erst ein. Er fußt durchaus auf den Anschauungen Judts bis auf unbedeutende Differenzen, weshalb es notwendig war, diese hier kurz zu skizzieren. Aber während Judt nur die anthropologische Klarstellung des jüdischen Rassebegriffs erstrebte, hat unser Autor sich ein viel umfassenderes Ziel gesetzt. Er hat als den Kern der Rassenfragen das „Problem der Rassenwertung" erkannt, d. h. die Beantwortung der Fraget ob eine Rasse auf Grund ihrer früheren Leistungen und auf Grund dessen, was in Zukunft noch von ihr zu erwarten steht, als wertvoll für die Gesarntmenschheit anzusehen ist. Diese Frage hinsichtlich der Juden zu beantworten, ihre Existenzberechtigung als selbständiges Glied unter den Kulturnationen darzutun, ist Ziel und Zweck seines Werks. Darum konnte er sich nicht mit der Betrachtung der jüdischen Rasse allein begnügen, sondern sah sich genötigt, das allgemeine Rassenproblem in seinen so mannigfaltigen Beziehungen in den Kreis seiner Untersuchungen miteinzubeziehen.