Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 3 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Südtfche Curnzeitung. monarsWirlrl für die körperliche Bebung der 3uden __Herausgegeben pon der Sfldlttfien Curnerkftqft. ja gqhrg, no. 3 Berlln g„zan!derstr. „ man 1911 Nachdruck der nachfolgenden OriginalaufsMze nur mit ■•mmr Quellenungabe yesuttet. J\SJ „Das Rassenproblem" von Ignaz Zollschap: Von Dr. med. Sam W e i ß - Mamburg. Die Anthropologen von Fach haben stets ein reges Interesse gezeigt für das merkwürdige Volk der Juden, welches die in der Geschichte der Menschheit fast beispiellose Fähigkeit bewiesen hat, sich innerhalb eines Zeitraums von annähernd 2000 Jahren trotz einer Zersprengung in z. T. winzige Partikel Innerhalb einer an Zahl gewaltig überlegenen Bevölkerung ..rasserein" zu erhalten. Wenigstens galten die Juden bis vor einigen Jahrzehnten noch als eine reine, einheitliche Rasse. Erst in der Aera der Schädelmessungen glaubte man 'auch einen anthropologischen Unterschied machen zu müssen zwischen den „Sephardim" und den „Aschkenasim", wie diese beiden Gruppen sich in ihren Sitten und Bräuchen, sowie ihrer regionalen Verteilung unterscheiden. Erstere, die einen mehr langschädligen Typus, entsprechend den übrigen Bestandteilen der semitischen Rasse aufweisen sollten, galten allein als echte, unvermischte Juden, während die mehr breitschädligen Aschkenasim ein Mischprodukt mit Germanen und Slaven darstellen sollten. Indessen mußte diese etwas oberflächliche Einteilung bald aufgegeben werden, als durch zahlreiche geographische und ethnologische Entdeckungsreisen bekannt wurde, daß versprengte Teile der jüdischen Rasse im Kaukasus und in Abessynien, in China und auf Ceylon lebten. Man stellte nun die verschiedensten Hypothesen auf, nahm die merkwürdigsten Gruppierungen vor, um diese verschiedenen Bestandteile mit ihren störenden Eelementen unterzubringen, und half sich schließlich, indem man die Juden als ein Aggregat der mannigfachsten Rassenelemente ansah. Es ist das große Verdienst von Judt, in seinem Buch „Die Juden als Rasse" diesem Chaos ein Ende gemacht und die gesamte jüdische Rassenfrage erst auf eine feste wissenschaftliche Grundlage gestellt zu haben. Nach langen, mühevollen Untersuchungen an einem möglichst großen Material kam er z« dem Schluß, alle geltenden Rassentheorien betreffs der Juden kurzerhand zu verwerfen. Er stellte folgende Thesen auf: 1- Das Merkmal der Juden ist Breit-, nicht Langschädligkeit. 2. Es besteht keine Verschiedenheit des Körperbaus zwischen Sephardim und Aschkenasim, dagegen nirgends eine Uebereinstimmung in anthropologischer Hinsicht zwischen den Juden und der eingeborenen Bevölkerung ihrer Umgebung, der sie speziell hinsichtlich der Körpergröße fast durchweg nachstehen.