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Jüdische Turnzeitung · 1911-02-01 · 2 (2.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
2 (2.1911)
Date
1911-02-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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No. 2 28 nicht vermessen, Ziele als Tatsachen hinzustellen, sondern noch auf dem Wege sind.) Unser Todfeind ist die Assimilation. Nun sollte man meinen, wir suchten unsern Stolz darin, auf eigenen Füssen zu stehen, uns die andern zu assimilieren, nicht den andern uns. Weit gefehlt. Wir sind zahm, vernünftig, bedächtig geworden. Wifc einer, der eine große Liebe gehegt und mit einer Geldheirat seinen jungen Menschen begräbt. Wir tun uns ordentlich darauf etwas zugute, den Radikalismus der jungjüdischen Sturm- und Drangperiode abgeworfen und die im Verkehr erforderliche realpolitische Kälte errungen zu haben. Glückliches Judentum! Es geht ein Sehnen nach Gleichheit durch deine Reihen. Das Meer deiner Schicksale kennt auf die Dauer keine Wellenberge, schnell und gierig ergießen sich die Wasser, die blanke Spiegelfläche wiederherzustellen. Wäre noch diese Neigung, das Judentum als totes Meer zu behandeln, dem Gedanken entsprungen, es nach außen hin als einheitlich und undurchdringlich erscheinen zu lassen, sie könnte eine Stärke sein. Aber weil diese Gleichmacherei nur dazu dient, Lebens- und Kraftäußerungen des Judentums den Wind aus den Segeln zu nehmen, die jedem gesunden, frischen Burschen unter uns wie ein kecker Brausewind um die Ohren pfeifen, müssen wir sie entschieden zurückweisen. Nicht nur, weil sie so manchen abhielt, überhaupt das Segeln zu lernen. Der große Tag der „Regatta" ist noch nicht da. Es herrscht dauernd Flaute. Wir haben es satt, daß das Jungjudentum erniedrigt wird zur Rolle des Lokomotivführers, schon deswegen, weil man zu häufig uns das Einfahrtssignal verweigert und noch häufiger die Notbremse zieht. Einige Leute sind im Packwagen, die meisten sehen sich vom Speisewagen aus die Gegend an. Nun soll hier gewiß nicht schonungsloser Prinzipienreiterei und erbittertem Chauvinismus das Wort geredet werden. Die Tugend jüdischen Gerechtigkeitssinnes ist zu alt, um gerade Stammesbrüdern gegenüber außer Acht gelassen zu werden. Wir wissen auch, daß man sich ab und zu mit Teilerfolgen bescheiden muß. Aber wir verlangen unbedingt in jedem Anhänger jene Festigkeit, die allen Sirenenrufen der Gleichmacher unter den Juden ein donnerndes „Bis hierher und nicht weiter" entgegensetzt. Jener geschickten Herren, die heute mit unseren Energien, mit unseren Gedankengängen, mit unseren Ausdrücken für ein an sich großes, aber gegenüber dem unserigen unbedingt kleines Ziel eintreten. Darum, Nationaljuden, wir wollen uns differenzieren. Auch untereinander. .Dann wird die Welt es endlich begreifen, daß der Nationalismus des Turners und des Zionisten verschiedene Dinge sind. Wir halten es lange schon für abgeschmackt, zu beteuern, daß unser Nationalismus unsere staatsbürgerlichen Pflichten und patriotische Gesinnung nicht berührt. Wer uns in dieser Hinsicht denunziert, wird auch keiner Beteuerung glauben. Qar mancher, der sich an unserem Tische satt gegessen, hat schon S*" wünscht, unser ständiger Gast zu sein, wenn es nicht immer den nationalen Gang gäbe, der ihm immer den Appetit verdirbt. Bedenkt, liebe Freunde, wir kochen und wir essen, um satt zu werden, um uns zu kräftigen, und

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