Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1911-02-01 · 2 (2.1911) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
2 (2.1911)
Date
1911-02-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4921092-5965121-5965319--2901-4925702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 2 27 lehrer Schaufelberger gibt seiner Freude über das Bestehen besonderer Jüdischer Turnvereine Ausdruck und berichtet auf Grund seiner praktischen Erfahrungen, wie schwer jüdische Turner richtigen Anschluß an den allgemeinen Turnverein finden. Wenn auch der Außersihler Turnverein behauptet, alle jüdischen Turner mögen nur bei ihm eintreten, sie seien ihm alle gern willkommen, so findet er die Bildung speziell jüdischer Turnvereine doch sehr notwendig. Nachdem noch einige Redner ihre Meinungen zur Sprache gebracht, schließt H. Matthias (Präsident der „Alten Sektion Zürich") die Diskussion mit einem warmem Appell an die Turner, die engherzigen Vorurteile fallen zu lassen und für die Aufnahme zu stimmen. — Die warmen Worte der Anerkennung für unsere Arbeit und Bestrebungen seitens der Pro-Redner können die Freude über den bedeutungsvollen Beschluß nur noch erhöhen, zumal wir in jüdischen Kreisen selbst selten oder gar nicht eine solche Würdigung unseres Wirkens finden konnten. Hervorzuheben an dem hiermit erfolgten Eintritt des Jüdischen Turnvereins in die Organisation der kantonalen und damit zugleich der eidgenössischen Turner ist die Tatsache, daß der Eintritt unter besonderer Betonung unserer jüdischen Tendenz geschehen ist. Das ist wiederum eine Lehre für diejenigen unserer Glaubensgenossen, welche ängstlich jedes Hervortreten als Juden vermeiden und jüdische Vereine als eine schädliche Absonderung ansehen. Vielleicht wird auch mancher von denjenigen Juden, die bisher nur ein geringschätziges Lächeln für die jüdische Turnerei übrig hatten, Jetzt sein Urteil über die jüdischen Turnvereine korrigieren und einsehen, daß es moralische Pflicht eines Juden sei, der jüdischen Turnsache seine Kraft oder sein Scherflein zur Verfügung zu stellen. Der Jüdische Turnverein Zürich selbst freut sich über den Fortschritt, den die Stellung des Vereins nach außen hin zu verzeichnen hat, weiß aber auch, daß es noch viel innerer Arbeit bedarf, damit der Jüdische Turnverein Zürich ein würdiger jüdischer Vertreter an Zahl und turnerischen Qualitäten innerhalb der Schweizerischen Turnerschaft wird. Die Gefahr des Kompromisses. Von Dr. Oscar Nathan, Hamburg. Die Kräfte, denen die jungjüdische Bewegung das Dasein verdankt, bellen die letzte Anstrengung des Judentums dar. Das müßten wir, selbst wenn wir nicht so fest davon überzeugt wären, uns sagen, um unser Pflichtbewußtsein und unsere Arbeitsfreudigkeit zu stärken. Die jungjüdische Bewegung will die Krisis im Judentum beseitigen. Wird ihr das gelingen? Es scheint, daß zu dieser Krisis eine neue, fast noch gefährlichere hinzutritt. Es ist zu Grenzverwirrungen zwischen Jungjudentum und anderen' Richtungen im Judentum gekommen. Diese Krisis heißt Kritiklosigkeit, Mangel an Unterscheidungsvermögen, politisch gesprochen Kompromiß. Aber während der niederste politische Kuhhandel ein Geben und ein Nehmen bedingt, gibt das Jungjudentum im Kompromiß unendlich wertvolle Inhalte nin und tauscht dafür ein Nichts ein! Das Zeugnis der maßgebenden Jüdischen Kreise, es fange langsam an, vernünftig zu werden. Wir reden heute so viel von Differenzierung. Wir haben den aller- Politischen Ausdruck, den Begriff „Nation", zur Grundlage unserer Reformation gemacht (Wir sind schon deswegen keine Reform, weil wir uns

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.