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Jüdische Turnzeitung · 1911-02-01 · 2 (2.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
2 (2.1911)
Date
1911-02-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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24 No. 2 aus der Welt das Märchen von, der physischen Minderwertigkeit des Juden und bahnt damit ein Stück des Weges, das zu dem ersehnten, hehren Ziele führt: Anerkennung der Vollwertigkeit des Juden schon in seinem heutigen Wohnsitze. Meine sehr VerehrtenI Oft hört man demgegenüber sagen: Das ist alles schön und gut, was ihr da behauptet, doch warum sondert ihr euch ab? Warum geht-ihr nicht einfach mit den anderen, warum wollt ihr als Juden turnen, warum richtet ihr Scheidemauern auf, warum trennt ihr euch und errichtet Grenzen, die aus dem Leben des Vereins hinaus sich ziehen bis ins praktische Leben? Wenn ich derartige Fragen höre, dann vermeine ich immer, die Fragenden müßten entweder träumend durch die Welt gehen oder irgendwo in Wolken-Kuckucks-Heim wohnen oder schließlich, — verzeihen Sie den harten Ausdruck — schamlos sein. Weiß denn der Betreffende nicht, daß als Preis dafür, daß wir anderswo mittun sollen, falsche Meldungen verlangt werden, weiß der Betreffende nicht, daß wir unser altes Judentum verleugnen sollen, daß wir uns ausgeben sollen für etwas, was wir nicht sind, für Ideale schwärmen mögen, die wir nicht kennen. Weiß der Betreffende nicht, daß diese fremden Turnvereine, die deutschen wie die slavischen, vielfach den Juden zwar ganz gern als beitragendes Mitglied sehen, sich aber ängstlich davor verschließen und ihm sogar die Türe weisen, wenn er als Vollausübender und Gleichberechtigter in ihrer Mitte erscheint. Und weiß der Betreffende nicht, daß in jenen Turnvereinen, die sich deutsch nennen, Melfach aber jüdisch sind, die Juden nur geduldet werden? Es ist eine schamlose Lüge, wenn behauptet wird, wir führen die Juden ins Ghetto. Wenn freie Männer sich zusammenfinden, ob Jude oder irgendwer anderer, dann ist dies eine Versammlung freier Männer. Wenn aber daneben eine Schar von Leuten geduldet wird, die sich verstecken und ducken und die ängstlich die Fahne in der Tasche halten, dann ist das das wahre Ghettowesen. Daher sind nicht wir jene, die die Juden ins Ghetto führen, sondern wir sind es, die die Pforten dieses Ghettos sprengen. Wir wollen nicht in diese fremden Turnvereine gehen, wir wollen hierbleiben, weil wir jüdisches Wesen pflegen wollen, wir wollen uns nicht beugen vor fremden Göttern. Wir wollen uns nicht beugen vor Thor und Wotan, vor Perun und Cernebog, weil wir in unseren Turnvereinen nicht das Beugen und Bücken lernen wollen, sondern das Aufrechtstehen und der Weltin-die-Augen-Schauen. Meine sehr Verehrten! Wer, angezogen von der Majestät alpiner Gipfel sich vornimmt, hinauszuziehen in die schöne Natur, wer hinaufsteige" will und die viele hundert Meter hohen Zinken erklimmen und besiegen, der wird, bevor er an ein solches Wagnis herantritt, sorgfältig vorher seinen Geist und Körper trainieren, er wird stundenlang gehen, er wird alle möglichen Uebungen machen, um gegen die Anstrengungen und Gefahren, die seiner harren, gewappnet zu sein. Wir Juden haben einen viel weiteren, einen viel beschwerlicheren Weg vor uns, als ein Ziehen in die Alpen. Zw*r hat uns das moderne Gesetz als täuschende Vorstellung die Gleichberechtigung auf dem Papier hingestellt, sie ist aber nicht vorhanden. Das einzi2e» wozu sie dienen kann, ist, uns ein Ziel zu sein, eine Vorleuchte, der wir nachstreben. Diese Wendung nach der vollen Gleichberechtigung der Juden, nach

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