Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1911-01-01 · 1 (1.1911) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
1 (1.1911)
Date
1911-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4921092-5965121-5965317--2875-4925677
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 No. 1 den Juden Eigentümliches? Etwas, das sie aus ihrer Umgebung heraushebt? Es scheint fast so. Calvary, -wenn ich mich recht erinnere, hat einmal den Versuch gemacht, das typisch Jüdische im Stil jüdischer Schreiber deutscher Zunge aufzuzeigen. Und Blumenfeld hat die Bemerkung gemacht, jüdische Schriftsteller wären gezwungen, wenn sie in deutscher Sprache schrieben, sich einen eignen, prägnanteren, oft in Maniriertheit übergehenden Stil zu schaffen, weil der allgemeindeutsche ihrer Individualität nicht entspräche. Mir scheint das richtig, daß Schriftsteller jüdischer Abstammung mehr als andere geneigt, das mit Worten ausdrücken zu wollen, was sich nur zwischen den Worten sagen läßt. Gilt dies auch für andere Sprachen als die deutsche? Ist vielleicht das, was national wirkt, der Ausdruck des Nationalen, nicht das Wort, sondern der Stil? Hier liegt ein Problem, das, schon bei der Schriftsprache seiner Vielgestaltigkeit wegen sehr kompliziert, sich noch unendlich schwieriger erzeigt bei Betrachtung der „gesprochenen Sprache". Der Wer nur charakteristische Oebrauch von Interjektionen, Mienenspiel und Lautfärbung kommen hier noch hinzu. Die theoretische Möglichkeit von Untersuchungen des gesprochenen Wortes, die früher nicht bestatid, ist heute im Phonographen gegeben. Ist es richtig, was Herr Chamberlain sagt, daß der Germane keine Kehllaute, der Jude keine Zungenlaute aussprechen könne? Ich habe es im allgemeinen nicht beobachten können. Vielleicht nur wegen mangelnder Schärfe der Auffassung. Zweifellos sprechen Juden anders als Arier — dieselben Worte —, sprechen sie anders untereinander als zu andern. Ich weiß nicht, ob dies Problem schon einmal gestellt worden ist. Es scheint mir der Bearbeitung durch jüdisch, völkerpsychologisch interessierte Fachgelehrte wert. Ein Laie dürfte kaum damit zu Rande kommen. Sprachforscher und Phonographen haben jetzt das Wort. Taktische Fragen der Turnerorganisation. Im Oktoberheft der „Jüd. Turnzeitung" werden sehr erfreuliche Mitteilungen über neue Vereinsgründungen gebracht und dabei auch Bemerkungen über die Taktik bei solchen Gründungen eingeflochten. In verschiedenen Städten will man Vereine gründen, die zwar faktisch jüdisch sein sollen, aber angeblich das Gepräge der nationalen Turnerschaft nicht vertragen würden. Da sich die Unternehmer solcher schwachgemuten Gründungen fast stets auf Posen berufen, so seien einige warnende Reminiscenzen aus der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Posener Vereins mitgeteilt. In Posen war zur Zeit unserer Gründung ein ausreichend großer Kreis ' von Anhängern der nationalen Turnidee wohl vorhanden; statt diese zunächst unter dem Banner der Turnerschaft zu organisieren und die Zugkraft der fertigen Organisation ruhig abzuwarten, begingen wir den groben taktische» Fehler, die Konstituierung einer Massenversammlung zu überlassen. Diese geriet unter den Einfluß der Schwächlinge und Assimilanten, die am liebsten einen „paritätischen" Verein gegründet hätten und es schon als peinlich empfanden, irgendwie exklusive Bestimmungen an sichtbarer Stelle des Statuts unterzubringen. Dieser turnerischen Entschlossenheit und Geradheit assimilatorischer Jünglinge entsprach auch der entzückend farblose Natne:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.