Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 1 (1.1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 5 Lächeln nicht trüben. Er wartet ruhig die erste Handgreiflichkeit ab und kann jedem, der ihn beleidigt, ruhig sagen: „Bis hierher und nicht weiter." Ein einziger Schlag und die Unverschämtheit bleibt unausgesprochen. Doch wozu den Schlag führen? Man denkt nicht einmal mehr daran, so sicher ist er in seiner Wirkung und mit dem Gefühl der Scham, ein wehrloses Kind zu schlagen, entschließt man sich nur im äußersten Notfall endlich, die Herrenfaust zu allzu leichtem Siege gegen den Unkundigen zu erheben. Joe Edwards, Meister der Boxkunst. Nation und Sprache. Von Referendar W. Oreifenhagen -Stettin. Es gibt Leute, die sich allen Ernstes einbilden, sie könnten, die Frage, ob es eine jüdische Nation gibt, dadurch lösen, daß sie eine Definition des Wortes Nation aufstellen und dann sagen: Die Juden passen unter die Definition, folglich sind sie eine Nation, oder umgekehrt. Beides ist gleidh töricht. Im Unterbewußtsein schlummert der Gedanke: Auch die Juden sind ein Volk, folglich muß ein Volk die und die Eigenschaften haben, darf andere nicht haben. Oder umgekehrt. Dann wird der Schluß wieder rückwärts gema;ht und die Gemeinschaft der Juden fein säuberlich in die Ausgangskategorie rubriziert. Wer da will, daß die Juden kein Volk sind, wird stets „beweisen" können, daß ihrer Gemeinschaft wesentliche Eigenschaften zum Volksein fehlen. Ebenso wie der national gesinnte Jude „beweisen" kann, daß diese wesentlichen Eigenschaften nur zufällige Akzidentien, keine notwendigen Bestandteile des „Begriffes" Volk sind. Beide Parteien nehmen gern das Argument der Sprache für sich in Anspruch. Die einen: Die Juden haben keine gemeinschaftliche Sprache. Polgüch sind sie kein Volk. Die andern: entweder: Die gemeinschaftliche Sprache gehört nicht zum Volksbegriff, oder: die Sprache der Juden ist die hebräische oder die jüdisch-deutsche. Letzteres ist ganz bestimmt falsch. Hebräisch ist mehr als 2 Jahrtausende keine lebendige Sprache gewesen. Getetssprache, Gelehrtensprache, Literatensprache. Zur Sprache des täglichen Lebens wird es jetzt erst. Ist es jetzt noch kaum bei einem Fünfzigstel des jüdischen Volkes. Der Jargon wird, in seiner verbreitetsten Form, von der kleineren Hälfte des jüdischen Volkes gesprochen, zerfällt zudem in zahlreiche Unterformen. Andererseits: Sollte es nicht im Wesen der Sprache, die etwas Individuelles ist, liegen, von der Nationalität ergriffen zu werden, die die typisjie Ausprägung des Individuellen darstellt? Sollte das Nationale, das den schlummernden Urgrund jeder individuellen Betätigung bildet, sich gerade in der ^Prache nicht zeigen? Was kann überhaupt individuell in der Sprache sein? Zweifellos ni;ht «je Grundlage des Wortschatzes. Wie oft hat nicht ein ganzes Volk, damals als die Worte noch nicht durch Schriftzeichen fixiert waren, die eines anderen »olkes, eines kulturell höher stehenden, stärkeren, aufgenommen? Die Sprache als Vokatular ist etwas zwischen den Menschen, ein soziales Instrument, also der Gegensatz zum individuellen. Individuell kann stets nur ,e Behandlung, die Färbung der Worte durch den einzelnen sein. Der au oh anders zu dem einen als zu dem anderen spricht. Und der anders schreibt als spricht. Zeigt sich in der Behandlung der Sprache etwas nur