Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 12 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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184 No. 12 ständnis befolgen können, und die hebräischen Lieder werden dann mit Recht einen großen Teil unserer Kneipen ausfüllen, und sie wirklich, intensiver als alle Tendenzreden jüdisch gestatten. Und, last not least, unser hebräischer Gottesdienst, wird in seinem Kern und in seinem Rhythmus uns verständlich sein, wird auch uns etwas zu sagen haben. Haben wir das erreicht, dann haben wir, dann habt Ihr ein großes Stück Arbeit für unser Ziel getan! Ihr braucht dann nicht bloß Juden der theoretischen Ueberzeugung sein, in Euch wird Judentum lebendig. Und Ihr habt dann den Zugang zu der großen Masse Eurer Brüder, die Euch heute unverständlich sind. Ein hebräisches Gespräch, das Eure Brüder aus Palästina oder aus Rußland miteinander oder mit Euch führen, bleibt Euch nicht fremd. Wenn Ihr auch nicht jede Eurer Empfindungen in hebräischer Sprache zurri Ausdruck bringt, so braucht Ihr doch in solchem Falle nicht staunend dabeistehen. Und das rege Leben, das emsige künstlerische und literarische Schaffen, das sich in der hebräischen Journalistik, im Feuilleton, im Roman und Poesie entialtet, spricht zu Euch als eine starke Macht, die auch Euch verjudet, zieht auch Euch hinein in das reale jüdische Schaffen, macht auch Euch aus Programmjuden zu wirklichen Juden. Das sind ein paar von den organisatorischen Kulturaufgaben, die unser für die nächste Zeit harren. Das bisher auch in den Kreisen der Nationaljuden und Zionisten so wenig Verständnis für sie vorhanden, wird mit einem Schlage sich bessern, wenn eine Generation erzogen, die selbst am hebräischen Leben, wenn auch nur rezeptiv teilnehmen kann. Aus Schülern unserer Organisation für hebräische Sprache und Kultur werden ihr Mitglieder hervorgehen, die bewußt für das gigantische Neuwerden, das sich in der Neubelebung unserer Sprache vollzieht, eintreten weiden. Dann wird sich diese in rascher, gesunder Entwicklung vollziehen. Dann wird sich die hebräische Kulturgemeinschaft in Wirklichkeit bilden, und dann wird auch das Diasporajudentum mit seinem Hebräisch sich eingliedern können und seine natürliche Stelle in der dann hebräisch sprechenden Judenheit finden. Dann bekommt Ihr auch Verständnis für die großen organisatorischen Aufgaben, die der hebräischen Sprachbewegung heute aufliegen. Ihr werdet mitarbeiten, daß das hebräische Schulwesen in Palästina, das in ungeahnter Weise aufgeblüht ist, sich in stetigem gesicherten Oang weiter entwickeln kann. Ihr werdet Freunde der Kindergärten, der misrachistischen und nicht misrachistischen Mittelschulen, der Töchterschule und des hebräischen Gymnasiums sein. Und wenn man, wie jetzt zum Andenken eines großen hebräischen Schriftstellers eine großzügige Stiftung zur Ausbildung von Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen in Palästina ins Leben ruft, so wird sie mehr Unterstützung auch in Westeuropa finden. Man wird auch Verständnis dafür bekommen, daß unser gesamtes, so überraschend aufblühendes Schulwesen gehemmt und seiner Entwicklung dauernd geschädigt wird, wenn nicht die Mittel für die Schaffung hebräischer Lehrbücher für alle Wissensfächer bereit gestellt werden. Wir haben in Palästina eine trefflich arbeitende Organisation der hebräischen Lehrer. Wer aber sorgt für diese? Die hebräische Literatur bringt eine Unzahl von Talenten, selbst einzelne literarische Oenies hervor. Ihr werdet Jhnen die unentbehrlichen Lebensmöglichkeiterl schaffen, wenn Ihr selbst Abonnenten der hebräischen Zeitungen, Abnehmer der hebräischen Literatur, unterstützende Genossenschafter hebräischer Verlage sein werdet. Sonst wird uns ein Teil unserer besten Intelligenz verhungern oder in Not verkommen. ' Das ist Eure Verantwortung, daß Ihr sie bewußt auf Euch nehmt, daß keine Mühsal am Anfang und kein Ermatten bei der Arbeit Euch anfechte, dazu rief ich Euch auf.