Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 12 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 arbeiten, muß mehr arbeiten, als die anderen. Damit hier nicht wieder einmal Strohfeuer angezündet werde, das bald erlischt, schrieb ich diese Zeilen, um Euch zu bitten, daß Ihr in Eurem Eifer nicht erlahmt, um Euch zu mahnen, dat" Ihr mit einer großen und heiligen Sache beginnt, die im engsten Zusammenhange mit Eurem ganzen Wollen steht, um Euch an eine große Verantwortung zu erinnern. Warum lernen wir Hebräisch? Euch national-jüdischen Turnern '»rauche ich es wahrlich nicht zu sagen. Weil Ihr Nationaljuden seid und weif Ihr Volljnden werden sollt. Ihr stählt Euren Körper, sicherlich vor allem Euch zum Nutzen, dann aber, weil Ihr Eurem Volke in Euren jugendfrischen Leibern, in Eurem gesunden, tatkräftigen Wollen neues Leben geben wollt. Ihr alle träumt den großen Traum von unseres Volkes Auferstehen, in Euch lebt mächtig der Wille, an Eurem Teile mitzuarbeiten an der Neugeburt des jüdischen Volkes. Und da einem Wunder gleich, in einem Zeitraum von nur knapp 30 bis 40 Jahren dieses Volk sich eine lebendige Sprache für Alltag unci Haus, für Wissenschaft und Literatur, für Poesie und feinst nuanciertes Empfinden geschaffen, da solltet Ihr Euch nicht mit aller Energie, und nicht bloß mit der Energie der Entschließung, vor allem mit der Energie des Durchhaltens der Erlernung dieser Sprache widmen. Es ist doch kein Zweifel, wenn wir hebräisch sprechen, so ist ein Teil dessen verwirklicht, was wir erstreben. Wir sind dann ein großes Stück weiter gekommen auf dem Wege, sanze, jüdische Persönlichkeiten aus uns zu machen. Wer hebräisch spricht und in Zusammenhang steht mit der in dieser Sprache sich vollziehenden jüdischen Neuschöpfung, kann vielleicht auch einmal müde und matt werden seinem Kampfe, kann vielleicht auch einmal resignierend verzweifeln, auf die Dauer kann er nicht abseits stehen, kann es einfach darum nicht, weil er in der hebräischen Sprache und im Umgang mit andern in dieser Sprache fcj" Stück hebräischen Lebens in sich vollzieht. Jal Aber können wir denn überhaupt hebräisch sprechen lernen, wenn wir über das einfachste Stammeln hiuauskommen, und, wenn wir es selbst erlernen, wird das Hebräische 'ni dolus, in der Diaspora je eine lebendige Macht sein? Zwei Fragen auf einmal. Laßt mich zunächst die erste beantworten. Y'ia zwar mit einem ganz offenen Wort. Wir, d. h. die deutschen Mitglieder ^er Organisation für hebräische Sprache und Kultur, haben uns ein pädagogisches Programm gestellt, das weit über die Kurse hinausgeht. Wir wollen hebräische Kindergärten für die Kinder vor der Schulzeit, Kinderhorte Während der Schulzeit errichten. Für die älteren Mädchen von 14 bis 18 •'ahren sollen literarische Zirkel und hebräische Kaffeekränzchen geschaffen werden. Vor allem aber hoffen wir, in zielbewußter, propagandistischer Arbeit dpn hebräischen Unterricht der Religionsschulen umzugestalten. Kein Zweifel, die Jugend, die so vorbereitet ist, wird hebräisch sprechen. Aber die Zwischengenerationen?! Ich zweifle nicht, daß auch hier mit ernster Arbeit und zähem Fleiß das letzte Ziel erreicht werden kann. Die Erfahrungen der letzten Wochen haben uns geradezu wunderschnelle Fortschritte erleben lassen. Die große Masse wird sich mit Geringerem begnügen n,üssen. Aber wir wollen alle, die nur halbwegs fleißig mitarbeiten, schon m einem Semester soweit bringen, daß sie ein kleineres, nicht allzu schweres j^ück herunterlesen und sich darüber unterhalten können. Und in weiterer Uebung wollen wir dann alle soweit bringen, daß sie einem hebräischen Oefpräch mit Verständnis folgen, eine hebräische Zeitung lesen und die neuhebräische Literatur, sowohl die prosaische als auch die poetische in ihren ei;chteren Schöpfungen verstehen können. Dann werden sie auch die hektischen Kommandos nicht nur mechanisch, sondern mit wirklichem Ver-