Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 11 (11.1910)
- Date
- 1910-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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No. 11 163 unbedingt notwendig erscheint. Bei der jetzigen Zersplitterung ist ihre Gründung unmöglich, da der J. T. V. Charlottenburg dazu zu schwach ist und der Bar Kochba nicht für einen anderen Verein eine Jugend-Abteilung unterhalten kann. Der „Jüdische Turnverein 1905" kommt seiner abweichenden Tendenz wegen vorläufig nicht in Frage, doch müßten wir auch hier, sobald die Neigung für eine Fusion sich zeigen sollte, keinerlei Schwierigkeiten machen. Die Qründung des „Frauenbundes für Turnen und Sport", ist im Interesse der Einheitlichkeit unserer Bewegung und ihrer Organisation entschieden zu verurteilen, insbesondere da durch den scharfen Konkurrenzkampf ein gutes Einverständnis mit dem Bar Kochba kaum zu erwarten •st. Ein weiteres Eingehen erübrigt sich also. Nächst der Zentralisation der Vereine ist die Errichtung neuer •'ugend-Abteilungen ein wichtiger Schritt zum Ausbau unserer Bewegung. In Berlin existiert für vier Männer-Abteilungen nur eine einzige Lehrlings-Abteilun«, die keineswegs den erforderlichen turnerischen Nachwuchs heranbilden kann, zumal sie jahrelang nicht auf der Höhe war. Die turnerischen Kräfte, die bei der Gründung unseres Vereins z" uns übertraten, sind größtenteils bereits ins Philisterium gewandert. .Auf Znsr.huB von außen können wir heute nicht mehr rechnen. Wir müssen also die turnende Jugend an uns zu fesseln, wenn wir starke, turnerisch wertvolle Männer-Abteilungen haben wollen. Die Gründung neuer •'ugend-Abteilungen ist die Grundbedingung für jede gedeihliche Fortentwicklung. Allgemeines Interesse verdient die Spielplatzfrage, die in Berlin wegen der teuren Bodenpreise besonders brennend geworden ist. Die starke Neigung zu sportlicher Betätigung hat im Bar Kochba die Gründung einer Sportabteilung notwendig gemacht. Bei einer richtigen Organisation kann sie in Berlin von ganz hervorragender Bedeutung werden. Wir müssen im kommenden Jahr auf den Sport- und Spielbetrieb den allergrößten Wert legen, wenn wir nicht Qefahr laufen wollen, den gesamten Turnbetrieb zu erschweren. Zu erwähnen wären noch die Fragen der finanziellen Sicherstellung, der Propaganda und der nationaljüdischen Arbeit, die aber als interne Vereinsangelegenheiten nicht von allgemeinem •nteresse sind. Wenn auch diese Ausführungen gar leicht pessimistische Gedanken erwecken können, so dürfen wir trotzdem die beste Hoffnung für die Zukunft hegen. Nur wenn wir die Tatsachen einmal objektiv betrachten, ohne durch die rosige Brille zu schauen, können wir die Le i 11 i n i e n für "nsere Arbeit finden. Im Bar Kochba hat die systematische turnerische Arbeit wieder begonnen, und wenn wir auch auf den anderen Gebieten systematisch weiterarbeiten, dann wird der Erfolg unser sein! Nathan Kaminski.