Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 10 (10.1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 150 Wert, daß der Körper dauernde aber abwechselnde Beschäftigung erhalte, rüttele ihn durch einige wuchtige Bewegungen auf, und verschaffe ihm Beruhigung durch langsam ausgeführte Bewegungen. Eröffnet man den Turnabend z. B. mit einem kräftigen Dauerlauf, so sind die schwedischen Übungen zur Beruhigung des Körpers und zur regelmäßigen Atmung am Platze, und man schließe die Freiübungen mit einigen kräftig ausgeführten Bewegungen, also mit den sogenannten deutschen Freiübungen. Soll dagegen das Turnen mit Freiübungen beginnen, so muntere man den zumeist schläfrigen Körper zuerst durch einige energische Bewegungen auf, nehme dann einige schwedische Übungen vor und schließlich einen Dauerlauf oder ein turnerisches Spiel. Die schwedischen Übungen lassen sich auch sehr zweckmäßig durch einen kleinen Dauerlauf der einzeln aufgestellten Reihen unterbrechen. Es besteht kein Zweifel, daß im Laufe der nächsten Jahre die schwedischen Übungen immer mehr Ansehen und Bedeutung gewinnen werden. Für einen turnerisch wenig Befähigten werden freilich die deutschen Freiübungen stets ihren Wert behalten, während einem guten Qerätturner die Oerätübungen, wenigstens in gesundheitlicher Hinsicht, Ersatz für die deutschen Freiübungen bieten können. Denn beide Arten von Übungen erreichen energische Aufrüttelung des Körpers. Die schwedischen Übungen dagegen werden schwerlich durch irgend eine Art von Übungen zu ersetzen sein, weder für den schlechteren, noch für den guten Turner. Pechliwan. (Türkische Ringkämpfer.) Ein ödiT Bauplatz. Vor dem Eingang zwei rote Fahnen und der Kassierer am Tische. Innen eine weite Arena, mit Kohlenstaub und darüber mit dünnem Heu beschüttet. Aus rohen Brettern gezimmert zwei Reihen Bänke, ganz vorn ein Brett auf platte Erde gebreitet, die Loge für die Kinder. Ernste Männer, die kein Wort sprechen, sitzen und rauchen Nargileh, Sinndverkäufer tragen ihre Platte mit einem Turm von Kringeln auf dem Kopfe herum, und Sorbetdschis bieten ihr Fruchtwasser aus und klappern rhythmisch und lockend mit ihren Gläsern. Von oben guckt der tiefblaue Himmel nieder, und die Sterne funkeln. Wie warm, wie friedenspendend ist die Herbstnacht in Stambul! Da'ul und Sorna verüben wüsten Rummel; sie dürfen dem TUrKen niemals fehlen. In einer Ecke, vor dem Bretterverschlag, entkleiden sich zwei Männer. Sie legen nichts als lederne Kniehosen an, die sie über den Hüften mit Lederschnur so fest als nur möglich zusammenziehen. Dann treten sie in den Vordergrund, wo ein Mann mit einer Olkanne sie erwartet. Er gießt das Ol in die offengehaltenen Hände, und die Entkleideten beginnen, sich damit zu salben. Sie reiben, bis er trieft, den gedrungenen, sehnigen Körper, sie schmieren sogar, bis sie glänzen, die ledernen Hosen, ja sie gießen vorsorglich von dem Fett in den Schoß hinter die Hose, um keine Hautstelle ungeschmeidig und unglatt zu lassen. Dann reiben sie sich brüderlich gegenseitig die Rücken, die die eigenen Hände nicht erreichen können, und die Vorbereitungen sind fertig. Es sind zwei türkische Ringer. Wie sie einander gegenübertreten, glänzen ihre Leiber hellkupfern im Licht der Laternen und strömen einen unausstehlich widerlichen ölgeruch aus, der sich mit dem wilden Hämmern der Da'ul und der Katzenmusik der Sorna zu einem selten erlebten Nervenkitzel verbindet.